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02.07.2015, 14:50 Uhr  //  Politik

„Julia“ & Zoya“ drohte der Verkauf an eine illegale Kampfbärenstation

„Julia“ & Zoya“ drohte der Verkauf an eine illegale Kampfbärenstation
 © FOUR PAWS | Volodymyr Shuvayev (Bild) VIER PFOTEN (Text) // www.snaktuell.de


Hamburg - Noteinsatz für die Bärenexperten der internationalen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN: In Belogorodka nahe der Hauptstadt Kiew sahen zwei Braunbären aus illegaler Privathaltung einem üblen Schicksal entgegen. Der Besitzer konnte die rund zehn Jahre alten Tiere nicht mehr versorgen und hielt sie in winzigen Käfigen auf der Ladefläche eines alten LKW. Als das hiesige Umweltministerium von dem Fall erfuhr, bat es VIER PFOTEN offiziell um Hilfe. Die Tiere sollten schnellstmöglich von den Tierschützern übernommen werden, da der Besitzer bereits für konkrete Übernahmeangebote mit Kampfbärenstationen in Kontakt trat, in denen die  Bären für illegale und tierquälerische Jagdmethoden missbraucht worden wären.

Innerhalb nur weniger Tage organisierte der in Mecklenburg-Vorpommern lebende VIER PFOTEN Bärenexperte Carsten Hertwig mit seinem Team die Abholung der beiden Bären und die Überstellung in die nahegelegene BÄRENSTATION Nadiya in Zhytomyr. Dort wurde in Windeseile ein bestehendes Gehege für sie umgebaut und der Bau eines zusätzlichen Eingewöhnungsareals für Julia und Zoya in Auftrag gegeben. Carsten Hertwig ist erleichtert, dass die beiden Tiere nun in Sicherheit sind. „Es freut uns, dass wir Julia und Zoya vor einem Leben in einer Kampfbärenstation bewahren konnten. Hier in Nadiya lebt bereits eine Bärin, die jahrelang als Köder für die Ausbildung von Jagdhunden missbraucht wurde. 2013 konnten wir Masha in einer riskanten Aktion befreien und nach Zhytomyr überführen.“

Der Halter von Julia und Zoya zeigte sich bei der Übernahme kooperativ und ist erleichtert, die Tiere abgeben zu können. Woher die Bären stammen ist unklar. Einer der Bären dürfte aus einem russischen Wanderzirkus, der andere direkt aus der Wildnis stammen. Der Besitzer selbst war früher Tiertrainer in einem Zirkus.

Hertwig: „Julia und Zoya haben beide Narben und Wunden im Gesicht, vermutlich von den Käfigstangen und zeigen starke Verhaltensauffälligkeiten. Außerdem haben wir Grund zu der Annahme, dass Zoyas Sehvermögen beeinträchtigt ist.“ Die Bärinnen haben den Transfer in die BÄRENSTATION gut überstanden und wurden vorerst getrennt voneinander untergebracht.

Das erfahrene Team vor Ort überwacht das Verhalten der Bären genau und wird so bald wie möglich einen gründlichen medizinischen Check durchführen. Sobald das Eingewöhnungsareal fertiggestellt ist, kann mit dem professionellen Bärenmanagement begonnen werden. Hertwig: „Die Tierpfleger können dann  täglich die Bärinnen in einem eigenen Bereich unterbringen während sie das Freigehege säubern und Beschäftigungsobjekte für die Bären vorbereiten. Erst wenn wir wissen, wie es um Zoyas Sehvermögen genau bestellt ist, können wir abschätzen, ob die Bärinnen später zusammengeführt werden oder Zoya ein Areal für sich alleine benötigt.“

Dass lokale Behörden auf die rasche Hilfe von VIER PFOTEN setzen, bestätigt den Erfolg der Tierschützer. VIER PFOTEN setzt sich bereits seit Jahren gegen die illegale Privathandlung von Bären in der Ukraine ein und ist bemüht, ein neues Zuhause für gerettete Bären vor Ort zu schaffen. Im April unterzeichnete die Organisation einen Kooperationsvertrag zum Bau eines 12 Hektar großen Bärenschutzzentrums in der Westukraine nahe Lemberg. Der neue BÄRENWALD soll im Frühjahr 2016 eröffnet werden und ehemaligen Kampfbären eine artgemäße Bleibe bieten.

Die grausamen Kämpfe mit Hunden in den Bärenkampfstationen blieben Julia und Zoya erspart, doch viele ihrer Artgenossen leben in der Ukraine immer noch unter sehr schlechten Haltungsbedingungen. Hertwig: „Dutzende Braunbären werden als Touristenattraktion nahe Restaurants oder als Köder für die Jagdhundeabrichtung missbraucht. Wir konnten zwar mit dem Kampfbären-Verbot, das erst vor kurzem vom ukrainischen Parlament verabschiedet wurde, einen großen Erfolg erzielen. Wir sind aber weiterhin auf die Hilfe der Regierung angewiesen und fordern einen strengen Vollzug des neuen Gesetzes.


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