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24.07.2015, 10:33 Uhr  //  Stadtgeschehen

Sturmtief ZELJKO zieht auf Deutschland zu

Sturmtief ZELJKO zieht auf Deutschland zu
 SN-Aktuell (Bild) DWD/Dipl.-Met. Christian Herold (Text) // www.snaktuell.de


Schwerin - Nach den, für den Sommer typischen, Gewittern und der Hitze der letzten Tage, erwartet uns jetzt eine für die Jahreszeit sehr ungewöhnliche Wetterlage. Ein Sturmtief zieht auf Deutschland zu. Abgesehen von Stürmen im Zusammenhang mit Gewittern, treten Sturmtiefs bei uns normalerweise nur vom Herbst bis zum Frühjahr auf. Sie entwickeln sich entlang des Polarfront-Jet-Streams, einem Starkwindband in der oberen Troposphäre, das sich an der Grenze von kalter Polarluft zu warmer Subtropikluft bildet. Im Sommer liegt dieser Jet-Stream in der Regel relativ weit nördlich. Zudem sind die Temperaturgegensätze zu gering, sodass sich für gewöhnlich keine größeren Sturmtiefs bilden können, die uns beeinflussen.

Doch zurzeit liegt der Jet-Stream über dem Atlantik ungewöhnlich weit südlich, sodass sich dort ein Tiefdruckgebiet bilden konnte, das auf einer südlichen Zugbahn Richtung Europa zog. Derzeit liegt Zeljko noch als normales Tiefdruckgebiet vor der Bretagne. Es wird sich jedoch ab dem heutigen Freitagnachmittag noch deutlich zu einem Sturmtief verstärken. Der Grund dafür ist, dass noch zusätzlich eine Kopplung an den weiter südlich liegenden, aber schwächeren Subtropenjet stattfindet, der Zeljko mit weiterer Energie versorgt. In Fachkreisen spricht man dann auch von einer sogenannten Shapiro-Keyser-Zyklone. Einige der schlimmeren Stürme, wie Xynthia und Christian waren ebenfalls Shapiro-Keyser-Zyklonen. An ihren Stärken wird Zeljko jedoch bei Weitem nicht heranreichen.

Auf der Vorderseite von Zeljko wird mit einer südlichen Strömung heute zunächst feuchte und warme Subtropikluft angezapft und nach Deutschland geführt, sodass die Temperaturen in der Südhälfte noch einmal über 30 °C steigen. Allerdings bedeutet dies auch, dass sich heftige Gewitter mit schweren Sturmböen und Hagel bilden können. Diese entwickeln sich zunächst vereinzelt im Süden, breiten sich aber dann in der kommenden Nacht weiter in die Nordhälfte aus.

Am Samstagvormittag ziehen letzte Gewitter nach Osten und Nordosten ab. Doch dann greift bereits das Sturmfeld Zeljko von Westen her auf Deutschland über. Die genaue Zugbahn ist zurzeit aber noch nicht sicher. Derzeit sieht es so aus, dass sich das Sturmfeld im Tagesverlauf von West nach Ost über den Norden und die Mitte ausbreitet und in der Nacht zum Sonntag auf den Nordosten übergreift. Dabei werden verbreitet Sturmböen um 80 km/h erwartet, vereinzelt auch schwere Sturmböen über 90 km/h. Doch der Sturm könnte noch einige Überraschungen bringen. Denn Shapiro-Keyser-Zyklonen sind dafür bekannt, dass sie einen sogenannten Stacheljet ausbilden können, in dessen Bereich höhere Windgeschwindigkeiten auftreten. Dabei wird an der Südwestflanke des Tiefs, in einem relativ eng begrenzten Gebiet, durch dynamische Prozesse die Luft in der Höhe aus dem Polarfrontjet in der Form eines "Stachels" nach unten gesaugt. Die hohen Windgeschwindigkeiten im Bereich des Jets werden dabei zum Teil mit nach unten transportiert. Sollte sich so ein Stacheljet ausbilden, was derzeit nur wenige Modelle simulieren, dann können in einem schmaleren Bereich auch verbreiteter schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten um 95 km/h auftreten. Eventuell könnte es dann sogar vereinzelte orkanartige Böen geben.

Aber auch wenn sich ein Stacheljet bildet, wäre Zeljko noch deutlich schwächer als die großen Herbst- und Winterstürme. Jedoch gibt es ein großes Schadenspotenzial aufgrund der derzeit stark belaubten Bäume, die dem Wind eine weitaus größere Angriffsfläche zur Verfügung stellen als im Winter. Spaziergänge und Zeltlager in Wäldern sollten in den betreffenden Gebieten am Samstag unbedingt vermieden werden. Selbst Autofahrten durch Laubwälder und Alleen können zur Gefahr werden. Besonders Veranstalter von Open-Air-Events sollten die Warnlage genau im Auge behalten. Ständig aktualisierte Warnungen gibt es unter www.wettergefahren.de und in der WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes.

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