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29.07.2015, 08:54 Uhr  //  Stadtgeschehen

Lebendiges Geschichtswochenende: Liebesgaben für den Schützengraben

Lebendiges Geschichtswochenende: Liebesgaben für den Schützengraben
 Karola Beckmann (Bild) Karola Beckmann/akr (Text) // www.snaktuell.de


Schwerin - Wir schreiben August 1915 - Das Deutsche Kaiserreich befindet sich nunmehr knapp ein Jahr im Krieg. Wilhelm II sitzt sicher auf dem Thron. Die meisten jungen Männer befinden sich im Felde, die Zahlen der Toten häufen sich. Nahezu jede Familie hat mindestens einen Angehörigen an der Front, einige haben auch schon Tote zu beklagen. Der Hurra-Patriotismus der ersten Stunde ist gewichen, man ist aber noch fest vom Sieg überzeugt.

Noch leidet man keine wirkliche Not, auch wenn der Arbeitskräftemangel sich deutlich bemerkbar macht.

Sowohl in der Stadt, als auch auf dem Land sammelt man „Liebesgaben“, kleine Präsente für die Krieger im Felde, um sie aus der Heimat heraus moralisch und materiell zu unterstützen. Socken, Schokolade, Tabak und Alkohol sind die Freuden des Soldaten im Graben, und die Bevölkerung gibt gern.

An diesem Wochenende beleben rund 20 historische Darsteller um die Gruppe „Des Kaisers alte Kleider“ ganztägig fünf Gebäude des Freilichtmuseums.

Erleben Sie, wie Büdner, Schmied, Hirte, Gastwirt, Lehrer und Tagelöhner ihren Alltag vor 100 Jahren meistern, wie Söhne und Brüder die Heimat gen Frankreich verlassen oder auf Heimaturlaub sind.

In folgenden Häusern können Sie unsere Darsteller erleben:

Büdnerei: Die Büdnerfamilie Duddeck muss einen Sohn ins Feld schicken. Während der Filius voll freudiger Erwartung dem Ausrücken entgegen sieht, haben Schwestern und Eltern gemischte Gefühle. Das Mädchen in Stellung, mag ihren Friedrich nicht ziehen lassen.

Schmiede: Der Dorfschmied fiel bereits im September 1914 bei Tannenberg. So muss der betagte Vater dessen Arbeit übernehmen, der mit dem Gehilfen Beckmann Kessel flickt und Werkzeug schmiedet.

Häuslerei: In den beiden linken Wohnungen der Häuslerei leben, unter beengten Verhältnissen, Familie Seidlitz und das Fräulein Paul.

a) Familie Seidlitz bestreitet ihren Lebensunterhalt durch den Bau von Mause- und Rattenfallen in Heimarbeit. Außerdem betreiben sie ein wenig Landwirtschaft auf dem angrenzenden Land (Kartoffeln, Gemüse und Federvieh).

b) Der Landwehrmann Rautenberg logiert bei seiner Nichte Fräulein Paul, solange er zur Bewachung von, zur Arbeit verpflichteten, Kriegsgefangenen im Dorf ist.

Hirtenkaten: Der Arbeiter Schwab, der bis vor einem halben Jahr noch in den Fokker-Werken in Görries als Vorarbeiter tätig war, hat durch seine politische Haltung als Sozi dort seine Stelle verloren. Durch seinen Vetter Duddeck, der ihn und seine Frau bei sich auf dem Hof im Hirtenkaten untergebracht hat, lebt er nun unbeeindruckt vom großen Weltgeschehen mit seiner Frau Veronika und den Schafen auf dem Lande. Sein loses Mundwerk bringt ihm dabei nicht nur Freunde ein.

Gaststätte: In der Dorfschänke „Meyer’s Garten“ führt Witwe Beckmann das Regiment. Der Wirt, ihr Mann, ist im Felde geblieben. Der guten Ordnung halber hat ihr Bruder, der erfolglose Wander-Photograf Busse, die Rolle des Wirts übernommen. In der Gaststätte ist der verwundete Soldat Henrik Schaper einquartiert, der dort seine Verwundung auskuriert. Hier ist auch eine Annahmestelle für Liebesgaben eingerichtet.

Dorfschule: Der junge Dorfschullehrer Köhler kam vor einigen Jahren aus Hessen-Nassau nach Mueß. Nicht wehrdiensttauglich sieht er sich, gottbefohlen, in der Schule auf seinen Platz gestellt.

Lebendiges Geschichtswochenende
8. August – 9. August

Spezielle Führungen:

Samstag: 12 Uhr und 16 Uhr
Sonntag: 12 Uhr und  16 Uhr

Treffpunkt am Hirtenkaten, sonst 10 Uhr bis 17.30 Uhr

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