Diese Website benutzt Cookies.

Weitere Informationen OK
Navigation
Startseite
05.08.2015, 12:00 Uhr  //  Kultur

Die „Junge Elite“ zu Gast in Hagenow

Die „Junge Elite“ zu Gast in Hagenow
 Reiner Nicklas (Bild) Festspiele MV/akr (Text) // www.snaktuell.de


Hagenow - Im Rahmen der Reihe „Junge Elite“ der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern konzertieren am Sonntag, den 9. August um 16 Uhr die Nachwuchstalente Hiyoli Togawa und Lilit Grigoryan in der Alten Synagoge in Hagenow. Passend zum Konzertort werden bei diesem Duo-Rezital u. a. die „Hebräischen Melodien“ des Geigenvirtuosen Joseph Joachims zu hören sein. In dem epochenübergreifenden Programm finden sich zudem Brahms' Sonate in f-Moll und Hindemiths Sonate op. 11 Nr. 4.

Während die Bratsche im Barock und in der Klassik immer an zweiter Stelle hinter der strahlenden Violine stand und meist nur dazu diente, im mehrstimmigen Spiel  den musikalischen Satz klanglich und harmonisch auszufüllen, konnte sie sich im romantisierten 19. Jahrhundert gerade aufgrund ihres dunkleren, mitunter geheimnisvollen Klangs immer mehr emanzipieren. Mit den „Hebräischen Melodien“ gedenkt der Geiger Joseph Joachim, der u. a. mit Johannes Brahms sehr gut bekannt war, seinen eigenen jüdischen Wurzeln.

Die dreiteiligen Stücke sind in der für Lieder typischen Bogenform komponiert und erinnern aufgrund ihres kantablen Charakters an die berühmten „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch die Klarinette fand in der Romantik zu neuer Beliebtheit und so verwundert es nicht, dass die im Konzert erklingende Sonate in f-Moll von Johannes Brahms ursprünglich für das Holzblasinstrument, noch dazu für den Klarinettisten der berühmten Meininger Hofkapelle Richard Mühlfeld, geschrieben worden ist. Heute ist jedoch die Bratschenfassung populärer.

Die gesanglichen wie volksliedhaften Passagen der Sonate präsentieren perfekt das Spektrum der klanglichen Register und die Ausdrucksmöglichkeiten beider Instrumente. Im Gegensatz dazu komponierte Hindemith seine Sonate op. 11 von Anfang an für Bratsche und Klavier. Das kammermusikalische Stück war das erste, das Hindemith nach seiner Rückkehr aus dem ersten Weltkrieg im Jahr 1919 komponierte. Auch in diesem Werk spielt die Kantabilität der Musik eine große Rolle, so erscheint die Passage „Thema mit Variationen“ in Volkstanzmanier. Eine weitere Besonderheit, die der Komponist selbst seiner Sonate voranstellte, ist der schnelle Übergang zwischen den einzelnen Sätzen. Somit verschmilzt die eigentliche Satzfolge zu einem übergeordneten Ganzen.

Die 1986 in Düsseldorf geborene Bratschistin Hiyoli Togawa studierte zunächst in Köln bei Rainer Moog und Antoine Tamestit. Ein Quartett-Studium an der Queen Elisabeth Music Chapel in Waterloo/ Belgien beim Artemis Quartett erweiterte ihre Ausbildung. Derzeit setzt die japanisch-australische Musikerin ihr Studium in der Klasse von Prof. Hariolf Schlichtig an der Hochschule für Musik und Theater München fort. Weitere musikalische Impulse erhielt sie von Ana Chumachenco, Thomas Brandis, Matthias Lingenfelder, Wolfgang Boettcher, Kim Kashkashian und Jean Sulem. Hiyoli Togawa erzielte bereits frühe Wettbewerbserfolge wie 2004 einen 1. Preis mit Höchstpunktzahl beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ verbunden mit einem Sonderpreis der Deutschen Stiftung Musikleben.

2013 gewann sie den Internationalen Violawettbewerb in Markneukirchen und wurde mit zahlreichen Sonderpreisen ausgezeichnet. Beim Internationalen Johannes Brahms Wettbewerb in Pörtschach/Österreich wurde ihr 2014 ein 2. Preis verliehen. Solistische Erfahrungen sammelte sie u. a. mit der Vogtland Philharmonie, der Chursächsischen Philharmonie und der Klassischen Philharmonie Bonn. Hiyoli Togawa wird durch die Orlandus Lassus-Stiftung und die Oscar und Vera Ritter-Stiftung gefördert und ist Stipendiatin von „Yehudi Menuhin Live Music Now“ und „Deutsche Stiftung Musikleben“ sowie der Stiftung „Villa Musica Rheinland-Pfalz“.

Lilit Grigoryan wurde 1985 in Jerewan (Armenien) geboren und erhielt im Alter von sieben Jahren ihren ersten Klavierunterricht. Von 2002 – 2004 studierte sie am staatlichen Konservatorium Komitas in Jerewan bei Prof. Sergey Sarajyan. Seit April 2004 studiert sie an der Hochschule für Musik und Theater Rostock in der Klasse von Prof. Matthias Kirschnereit.

Seit Oktober 2012 ist Lilit Grigoryan ebenfalls Studentin an der Musikkapelle Königin Elisabeth in Brüssel. Sie ist mehrfache Preisträgerin bei nationalen und internationalen Wettbewerben, u. a. beim Vianna da Motta Internationalen Klavierwettbewerb, beim Internationalen Paderewski Klavierwettbewerb, bei der Yamaha Music Foundation of Europe, beim Internationalen Piano Campus Klavierwettbewerb, beim Internationalen Klavierwettbewerb Francis Poulenc sowie bei dem HMT-Musikpreis und dem internationalen Klavierwettbewerb Aram Khachaturian. Lilit Grigoryan ist regelmäßig zu Gast bei internationalen Festivals wie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Kultursommer Nordhessen, dem Verbier Festival und dem Montebello Festival in der Schweiz u. a. Klavierabende führten sie bereits in bedeutende Säle wie  das Konzerthaus Berlin, die Laeiszhalle Hamburg und das Concertgebouw Amsterdam. Als Solistin trat sie u. a. mit dem, Armenian Philharmonic Orchestra, der Polnische Kammerphilharmonie und der Norddeutschen Philharmonie auf. Lilit Grigoryan wurde als Stipendiatin von der Deutschen Stiftung Musikleben und von der Horst-Rahe-Stiftung gefördert. Seit März 2007 wird die junge Pianistin auch von der Internationalen Klavierstiftung „The Keyboard Trust“ unterstützt.

In der Stadt Hagenow befindet sich eines der wenigen noch erhaltenen Zeugnisse mecklenburgischer jüdischer Gemeindekultur. Das aus drei Gebäuden bestehende Anwesen der ehemaligen jüdischen Gemeinde (die 1828 erbaute Synagoge im Hof, das Vorderhaus mit Religionsschule, Lehrerwohnung und rituellem Bad (Mikwe) sowie die hofseitige Wagenremise mit Stall von 1881) waren in der Reichspogromnacht aufgrund ihrer Lage mitten im Stadtraum der Brandstiftung entgangen. Seit 1825 hatte es in Hagenow eine Israelitische Gemeinde gegeben und bis 1907 hatten in der Synagoge auch noch regelmäßig Gottesdienste stattgefunden.

In den 1920er Jahren aber verlor die Gemeinde durch Wegzug zahlreiche Mitglieder, so dass der Unterhalt der Synagoge für die restlichen Gemeindemitglieder zu aufwendig wurde. Eine Umnutzung wurde diskutiert, aber der Nationalsozialismus kam dem zuvor. Nach Zwangsverkauf und mehrfachen Umbauten wurde die ehemalige Synagoge 1990 der Conference of Jewish Claims rückübertragen.

Im Jahr 2001 erwarb die Stadt Hagenow den seit 1982 denkmalgeschützten Komplex. Mit Unterstützung der Landesregierung, dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, der ZEIT -Stiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und privaten Spendern konnte die Restaurierung in Angriff genommen werden. Am 17. November 2006 wurde der fertig sanierte Wagenschauer übergeben. Die Alte Synagoge erfuhr durch das Konzert der Festspiele Mecklenburg–Vorpommern mit Daniel Hope und Alexander Ramirez am 5. September 2007 eine glanzvolle Eröffnung für die neue Nutzung. Anfang 2009 wurde schließlich auch das Schulhaus als letztes Gebäude des Ensembles fertig gestellt. Hier wurde eine Forschungs- und Informationsstelle für ehemals jüdisches Leben in Westmecklenburg eingerichtet. Der Saal der Synagoge bietet einen idealen Rahmen für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen.


Diese Website benutzt Cookies.

Weitere Informationen OK