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10.08.2015, 15:00 Uhr  //  Wirtschaft

Werbung mit Testergebnissen nur bei getesteten Waren erlaubt

Werbung mit Testergebnissen nur bei getesteten Waren erlaubt
 © Stiftung Warentest (Bild) © Stiftung Warentest/akr (Text) // www.snaktuell.de


Berlin - Werbung mit Testergebnissen der Stiftung Warentest ist nur für Produkte erlaubt, die auch wirklich getestet wurden. Obwohl das eigentlich selbstverständlich klingt, zog Kaufland bis vor den Bundesgerichtshof.

Die Kaufland-Gruppe platzierte in Anzeigen für ihr Werbeblatt „tip der Woche“ das test-Logo „Gut“ über vier Spülmaschinentabs. Getestet hatte die Stiftung Warentest aber nur eins davon. Später wiederholte das Blatt die missverständliche Aufmachung mit Nudeln. Da prangte das „Gut“ und der Hinweis „Testsieger“ der Stiftung Warentest auf einer Anzeigenseite mit drei verschiedenen Packungen von Nudelprodukten. Auch hier hatte die Stiftung Warentest nur eins der Produkte untersucht.

Diese Aufmachung fand die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) irreführend und erhob Klage. Das Landgericht Heilbronn und das Oberlandesgericht Stuttgart gaben den Verbraucherschützern recht. Nun hat auch der Bundesgerichtshof (BGH) klargestellt: Diese Art von Werbung ist unzulässig. Es werde ein Testergebnis auf nicht getestete Produkte übertragen. Verbraucher könnten fälsch­licher­weise davon ausgehen, dass ein beworbenes Produkt getestet und mit gut bewertet wurde.

„Wir begrüßen das Urteil“, erklärt Stiftungs-Vorstand Hubertus Primus. „Um solchen Missbrauch bei der Werbung mit Testergebnissen zu verhindern, haben wir das Logo-Lizenzsystem eingeführt. Wer werben will, muss bei einer gemeinnützigen GmbH des RAL, dem Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, eine Lizenz erwerben. Missbräuche werden vom RAL und vom vzbv verfolgt“.

Werbung mit unseren Test­ergeb­nissen ist nur für Produkte erlaubt, die auch wirk­lich getestet wurden. Nur was getestet wurde, darf auch das Logo der Stiftung Warentest tragen.

Klingt eigentlich selbst­verständlich, doch Kauf­land zog bis vor den Bundes­gerichts­hof.

Durch­schnitts­kunde maßgebend

Es reicht nämlich nicht, so die Richter, wenn nur Verbraucher, die genau hinschauen, bemerken können, für welches Produkt das Test-Logo gilt. Zwar steht in den Test-Logos der Stiftung Warentest immer das jeweils geprüfte Produkt genau bezeichnet, hier eben „Spiralnudeln“. Aber neben den Spiralen war auch eine Packung Gnocchi abge­bildet. Zwar kann ein aufmerk­samer Kunde theoretisch aus der Angabe „Spiralnudeln“ im Testlogo schließen, dass sich das „Gut“ nur auf diese abge­bildete Packung bezieht und nicht auf die direkt daneben platzierten Gnocchi. Doch das ist lebens­fremd. Es kommt nicht auf den aufmerk­samen Leser an, der ein Werbeblatt sorgfältig studiert. Vielmehr ist für die Frage, wie eine Werbung verstanden wird, die Sicht­weise des durch­schnitt­lich informierten und verständigen Verbrauchers maßgebend, erklärte der BGH.

Verbraucher liest Anzeigen nur flüchtig

Der Durch­schnitts­kunde blättere das Werbeblatt nur beiläufig durch und nehme die Werbeanzeigen lediglich flüchtig wahr. Der Grad seiner Aufmerk­samkeit sei nicht nur von seiner jeweiligen Situation abhängig, sondern auch von der Bedeutung, die die beworbenen Waren für ihn haben. Und die sei bei gering­wertigen Gegen­ständen des täglichen Bedarfs wie Geschirr­spültabs oder Nudeln eher gering, führten die Richter aus. Solche Anzeigen nehme der Normal­kunde nur flüchtig zur Kennt­nis.

„Tip der Woche“ reines Werbeblatt

Kauf­land hätte daher deutlicher heraus­stellen müssen, auf welche Produkte sich die Werbung mit dem Test-Logo bezieht. Das Unternehmen konnte sich nicht damit heraus­reden, für den „Tip der Woche“ gelte die einge­schränkte Haftung der Presse. Demnach haften Verlage nur, wenn sie bei der Veröffent­lichung von Anzeigen, die Fremde bei ihnen aufgeben, gegen ihre Prüfungs­pflicht verstoßen. Beim „Tip“ handle es sich nicht um ein klassisches Presseer­zeugnis, sondern um ein Werbeblatt, das einem Werbe­prospekt gleich­steht.


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