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18.03.2016, 11:10 Uhr  //  Stadtgeschehen

Ein ganzes Jahrhundert erlebt: Charlotte Neese feiert den 104. Geburtstag

Ein ganzes Jahrhundert erlebt: Charlotte Neese feiert den 104. Geburtstag
 A. Zander/SOZIUS Pflege- und Betreuungsdienste (Bild) + (Text) // www.snaktuell.de


Schwerin - Wie viel Geschichte steckt in 100 Jahren? Wie viele Erlebnisse passen in diese Zeit? Kaum einer weiß eine Antwort auf diese Fragen, denn kaum einer lebt 100 Jahre. Charlotte Neese hat die 100 schon hinter sich gelassen und blickt nun ihrem 104. Geburtstag im Mai entgegen.

Die adrett gekleidete Dame mit den wachen blauen Augen sitzt in ihrem Zimmer in der Kurzzeitpflege des >>Augustenstift zu Schwerin<< und beginnt zu erzählen. Geboren sei sie am 21. Mai 1912 in Bad Polzin, dem heutigen Polen. Der Vater war Fleischermeister, bearbeitete draußen Fleisch, während seine Frau die kleine Charlotte zur Welt brachte. „Ich hatte schon damals eine sehr kräftige Stimme, alle dachten zuerst, ich sei ein Junge“, lächelte sie. Sie verbrachte eine glückliche Kindheit und wurde sogar Sommerkönigin. „Ich hatte ganz langes blondes Haar“, erzählte sie und zeigte stolz das Siegerfoto aus dem Jahr 1931. Dann kam der Krieg.

„Der 01. September 1939 war ein herrlicher Herbstmorgen, wir schliefen mit offenen Fenstern. Plötzlich ertönten laute Motorengeräusche und kurze Zeit später erreichte uns die Nachricht, dass der Krieg ausgebrochen war“, erinnerte Charlotte Neese sich noch genau. Was Charlotte Neese bis Oktober erlebte, war der Polenfeldzug Adolf Hitlers, dem sie kurze Zeit später sogar gegenüber stand. „Der Feldzug war zu Ende und durch eine Freundin war ich zufällig auf dem Bahnsteig, als Hitler mit einem Sonderzug einfuhr. Plötzlich stand er vor mir: Er hatte stahlgraue Augen. Den Anblick vergesse ich nie: Es war, als hätte man einen Eimer mit kaltem Wasser über den Kopf bekommen“, erschauderte sie noch heute und ist stolz, dass sie ihn nie gewählt hatte. Während des Krieges arbeitete die ausgebildete Nachrichtenhelferin dann als Rote-Kreuz-Helferin und versorgte verwundete Soldaten.

1942 zog Charlotte Neese mit ihrem Mann, einem Bauingenieur im „Reichsarbeitsdienst“ den sie 1936 geheiratet hatte, nach Schwerin. Drei Jahre später war der Krieg endlich zu Ende und sie ging zurück in ihre Heimat, holte ihre Eltern und ihren Neffen, den sie nach dem Tod ihrer Schwester großzog, nach Schwerin. Im Jahr 1950 lernte sie ihren zweiten Mann bei einem Erntedankfest in der Nähe von Wismar kennen. Gearbeitet hat Charlotte Neese ihr ganzes Leben: In der Russenschneiderei nähte sie Kleidung, sie verkaufte im damaligen „Russenmagazin“ Lebensmittel und Gebrauchsgüter, arbeitete beim Kulturbund an der Abendkasse und viele Gesichter kennt sie noch aus ihrer Zeit im „Resi“, dem Residenz-Café. In dem angesagten Tanzlokal am Markt arbeitete sie sieben Jahre.

Eine Krebserkrankung zwang sie zwar zur Pause aber nach der Genesung arbeitete sie bis zur Wende- da war sie schon 78 Jahre alt. Sie hatte immer viel Freude daran, andere Länder zu bereisen und auch heute ist sie voller Lebensmut und positiv gestimmt. Sie hat sich schon im Jahr 1995 für einen Platz im >>Augustenstift zu Schwerin<< angemeldet. „Mir gefiel der neue Anbau damals und ich sagte zu meiner Freundin: Hier melde ich mich gleich einmal an.“ In Kürze wird sie ihr Zimmer im Augustenstift beziehen und wohnt bis dahin in der Kurzzeitpflege >>Gartenhöhe<<. „Ich schaue täglich die Tagesschau, ich möchte doch wissen, was in der Welt passiert“, lächelte die 103jährige, die sich außerdem mit Kreuzworträtseln geistig fit hält.

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