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18.08.2016, 08:10 Uhr  //  Wirtschaft

Rostocker Gewebebank: Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten

Rostocker Gewebebank: Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten
 GBM-V/Joachim Kloock (Bild) + (Text) // www.snaktuell.de


Rostock - Nur ein Jahr nach der Gründung hat die gemeinnützige Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V gGmbH) mit Sitz in Rostock von der Arzneimittelüberwachungs- und -prüfstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS M-V) die Erlaubnis für die Aufbereitung von Augenhornhäuten erhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, um entnommene Gewebe bearbeiten, konservieren, lagern sowie anschließend als verpflanzbare Transplantate  Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren zur Verfügung stellen zu können. Direkt davon hängt auch die Genehmigung für die Abgabe von Gewebetransplantaten der aufbereiteten Spenden ab, die für Ende August vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut in Langen (PEI) erwartet wird.

„Damit können wir endlich durchstarten und die gewonnenen Augenhornhäute selbst aufbereiten und zügig an die Kliniken ausreichen“, freute sich Geschäftsführer Dr. Frank-Peter Nitschke über die wichtige Herstellungserlaubnis. „Durch die hervorragende Vorarbeit unseres Teams und den Aufbau eines funktionierenden Spenderprogrammes können wir nun jährlich rund 1.000 Augenhornhäute für Patienten mit ernsthaften Augen- und Sehproblemen bereitstellen. Damit werden zumindest in Mecklenburg-Vorpommern künftig keine Wartezeiten mehr entstehen“, so Nitschke.

Derzeit werden die logistischen Voraussetzungen für die im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock ansässige Gewebebank geschaffen. Ab September dieses Jahres können Augenärzte über eine Online-Anfrage schnell und unkompliziert Augenhornhäute für ihre Patienten anfordern. Bislang wurden die gespendeten und von Fachkräften der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) entnommenen Augenhornhäute, rund 520 seit Jahresbeginn, noch in externen Gewebebanken aufbereitet. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt die Gewebespenden unserer mittlerweile elf Kooperationspartner direkt selbst für die Empfänger aufbereiten können“, betonte Dr. Frank-Peter Nitschke. „Wir sind mit weiteren Kliniken und auch Universitäten in Verhandlung, um unser Netzwerk zu erweitern. „Unserem Ziel einer besseren Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten bei Vermeidung von unnötigen Wartezeiten kommen wir jeden Tag näher.“

Die Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten ist auch neun Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei etwa drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich. Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zur dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität (z. B. Amputationen von Gliedmaßen) führen.

Innovative Transplantate auch für kleinere Kliniken
Aktuell laufen weitere Herstellungs- und Genehmigungsverfahren, um auch alle anderen Gewebespenden in Eigenregie vor Ort weiterverarbeiten zu können. Das betrifft herkömmliche und neue Technologien für Herzklappen, Gefäße, Herzbeutel, Amnion (Eihaut der Fruchtblase) und Haut.

„Mit der Vorlage aller Genehmigungen wird die Rostocker Gewebebank künftig als eine von wenigen Einrichtungen in Deutschland ein sehr vielschichtiges Spektrum der humanen Gewebetransplantate abdecken“, sagte Dr. Andreas Knipper, Leiter Regulatory Affairs (Arzneimittelzulassungen) der GBM-V.

Darüber hinaus ist vorgesehen, durch eine Kooperation mit dem britischen Medizinunternehmen Tissue Regenix alle, vor allem auch kleinere Krankenhausstandorte mit innovativen Gewebetransplantaten zu versorgen. Die Tissue Regenix Group plc (www.tissueregenix.com) ist eine international führende Firma in der Entwicklung von regenerativen Implantaten auf der Basis zellfreier (dezellulärer) Gewebegerüste. Erstmals hat die Tissue Regenix Anfang des Jahres mit der Rostocker Kooperation ihre Lizenzen einer europäischen Gewebebank zur Verfügung gestellt. Auch dafür laufen gegenwärtig weitere Genehmigungsverfahren. Die hochwertigen Gewebetransplantate ermöglichen den Empfängern ein wesentlich besseres Langzeitergebnis, da sie vom Empfänger nicht mehr als fremd erkannt werden und somit deutlich geringere bzw. keine Abstoßungsreaktionen zeigen.

„Um eine hohe Sicherheit für unsere Patienten zu garantieren, wurde das Medizinische Labor Rostock  vom Landesamt für Gesundheit und Soziales MV mit der Diagnostik der Augenhornhauttransplantate beauftragt“, informierte Nitschke. Das Rostocker Labor wird regelmäßig mikrobiologische Untersuchungen zur Prüfung der Sterilität und Keimfreiheit der Transplantate der Rostocker Gewebebank vornehmen. „Unser Labor führt seit 2015 die gesamte mikrobiologische und virologische Diagnostik im Bereich Gewebemedizin durch“, so Dr. Michael Steiner, Ärztlicher Leiter des Labors. „Insbesondere für die Gewebetransplantate sind alle Untersuchungsverfahren geprüft worden, damit höchste Sicherheit für die Transplantatempfänger gewährleistet ist.“

#Hintergrund Augenspende
Die Hornhaut-Transplantation ist die älteste und inzwischen die häufigste und erfolgreichste Verpflanzung eines Gewebes beim Menschen. Die erste erfolgreiche Hornhauttransplantation führte bereits 1905 der österreichische Augenarzt Dr. Eduard Zirm durch.
Die Hornhaut des Auges (Cornea) bezeichnet man auch als die Windschutzscheibe des Auges. Eine gleichmäßig gekrümmte und völlig klare Hornhaut führt zu einem klaren Sehen. Erkrankungen der Augenhornhaut (Hornhautkrümmungen oder Hornhauttrübungen) können verschiedene Ursachen haben und führen unbehandelt über eine herabgesetzte Sehschärfe letztendlich zur Erblindung. Eine Hornhauttransplantation kann Patienten vor einer Erblindung bewahren oder ihnen das Augenlicht zurückgeben. Dabei wird die erkrankte Hornhaut des Patienten oder Teile von ihr durch eine Spenderhornhaut ersetzt.
Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Hornhauttransplantationen zukünftig auf ca. 12.000 jährlich steigen wird.

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