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30.03.2017, 08:17 Uhr  //  Stadtgeschehen

Drei Handwerkerporträts aus der ManufakTour

Drei Handwerkerporträts aus der ManufakTour
 ManufakTour (Bild) Landeshauptstadt SN (Text) // www.snaktuell.de


Schwerin - Das Leitprojekt KulturLandschaftsRouten durch die Metropolregion Hamburg stellt Manufakturen aus den Landkreisen Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und der Landeshauptstadt Schwerin vor, die traditionelles Handwerk mit aktuellem Design und innovativen Techniken verbinden. „Derzeit besucht unser Organisationsteam die Akteure vor Ort, um herauszufinden, wo die Bedarfe und Wünsche liegen“, sagt Projektleiter Heiko Boje. „Wir möchten mit dem Projekt die Vernetzung und Kommunikation stärken.“ In einer Serie stellen wir die Manufakturen und ihre außergewöhnlichen Produkte vor.

Am Anfang war ein aufklappbarer Wickeltisch namens OWO. Im Jahr 2000 stellte Tim Schinkel sein erstes Produkt der Marke timkid vor und hat sich seitdem als führender Wandwickeltisch-Hersteller Europas etabliert. In der Festungsstadt Dömitz an der Elbe konnte er eine neue Produktions- und Lagerhalle errichten, wo direkt ab Werk verkaufen kann: „Ich habe ein sehr zuverlässiges Team, das wie ich froh ist, hier im ländlichen Raum, umgeben von wunderschöner Natur, einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen zu können“, schwärmt Tim Schinkel.

Alle Produkte der Marke timkid sind so konzipiert, dass sie ergonomisch und rückenschonend für die Erwachsenen sind, während sie dem (Klein-)Kind optimale Sicherheit und vielfältige Spielmöglichkeiten bieten. Die Kindermöbel vom südlichsten Zipfel Mecklenburgs sind überregional gefragt: „Das Besondere ist die Liebe zum Detail und zum Material“, verrät Tim Schinkel. „Unsere Möbel zeichnen sich aus durch Funktionalität und ein ansprechendes Design, durch Langlebigkeit und eine ökologische Materialauswahl.“

In Kalkhorst an der Ostseeküste wohnt und arbeitet der freischaffende Metallgestalter Michael Schimmel. In einer urigen Fachwerkschmiede gegenüber dem Schloss fertigt er Einzelstücke nach eigenem Design oder auf Bestellung, überwiegend an Kunden aus der Region: „Hier ist alles 100% Handarbeit“, sagt Michael Schimmel. „Die Kunst des Damastschmiedens geht bis ins 4. Jahrhundert zurück. Zu der Zeit wollte man schlechten, spröden Stahl mit biegsamen Eisen verbinden, um so einen homogenen, elastischen und harten Stahl zu bekommen.“

Die hochwertigen Messer sind allesamt Unikate, die Mischung der Metalle hinterlässt auf der Klinge eine unverwechselbare Zeichnung. Daneben stellt Michael Schimmel auch Beschläge und Schmuck, Gartenskulpturen und Leuchten her: „Ich verarbeite natürliche Materialien jeglicher Form: neben Metallen auch Stein, Holz und sogar Knochen oder Zähne.“ Um den Verkauf der Produkte kümmert sich seine Frau Catrin Freuschle, in ihrer Galerie für Handwerkskunst im Thurow 10 in Klütz (Mai bis Oktober).

Der Kontakt zur Natur, der weite Blick über die Ostsee ist für Michael Schimmel ein Lebenselixier: „Die kreative Entfaltung steht bei mir im Mittelpunkt. Hier kann ich ein ruhiges, zufriedenes Leben führen mit der Freiheit, meine Zeit selbst zu gestalten.“

„Sie haben den Kopf, wir haben den Hut oder die Mütze“ – das ist das Motto des Hutsalons Rieger im Großen Moor in Schwerin. Noch bevor hier ein Hut über die Ladentheke geht, steht erstmal eine genaue Typberatung an: Haarfarbe, Gesichtsform, Teint, Stil – eine passende Mütze kann dem Gesamteindruck die „Krone“ aufsetzen. „Nicht jedem steht das, was die Nachbarin trägt,“ sagt Genoveva Rieger, die den Salon schon mehr als drei Jahrzehnte betreibt: „Auf keinen Fall sollte man sich alles überstülpen lassen!“

Das Verhältnis des Menschen zu seiner Kopfbedeckung hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt: „Früher war der Hut ein Modeaccessoire, heute ist er vor allem auch ein Schutz.“ Dafür kaufen Genoveva Rieger und ihre Tochter Marie-Antonett in der ganzen Welt ein: Die Materialien lassen sie sich aus Südamerika, Italien oder England anliefern. „Heute sind die Kunden wieder stärker daran interessiert, wie Produkte entstehen, wo sie herkommen. Wir kaufen nur hochwertige Stoffe ein, da Billigware durch Material und Färbung oft Unverträglichkeiten hervorruft.“

In der Sommersaison werden vor allem Naturstoffe verarbeitet, eine breite Palette von Strohsorten wie Panama, Hanf, Sisal oder Raffia bis hin zu Stoffen wie Baumwolle, Batist, Jute oder Leinen. Im Winter wärmen Filz, Harris Tweed oder Pelz den Kopf. Zeitlos gefragt sind Hüte für besonders feierliche Anlässe, aus Spitze, Samt und Seide.

„Die Vintage Mode beflügelt unser Handwerk“, bemerkt Marie-Antonett Rieger: Das vermeintlich Altmodische ist wieder ganz hoch im Trend. Schwerin sei dafür das richtige Ambiente, mit seinem romantischen Flair und der Nähe zur Natur: „Die Stadt ist nicht so stark kommerzialisiert, viele Menschen wollen keine Stangenware, sondern lieber handgemachte Mode.“


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