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23.07.2019, 08:22 Uhr  //  Stadtgeschehen

Erster Riesenotter zur Wiederansiedlung im Projektgebiet eingetroffen

Erster Riesenotter zur Wiederansiedlung im Projektgebiet eingetroffen
 © The Conservation Land Trust (Bild) Zoologischer Garten Schwerin gGmbH (Text) // www.snaktuell.de


Schwerin - Auf Einladung der Stiftung Conservation Land Trust bereiste der Schweriner Zoodirektor Tim Schikora in der vergangenen Woche das Projektgebiet zur Wiederansiedlung von Riesenottern in Argentinien. Der promovierte Biologe ist für den europäischen Zooverband (EAZA) als verantwortlicher Koordinator für die Erhaltung dieser stark bedrohten Tierart tätig. Ging es in der Vergangenheit vorrangig um den nachhaltigen Fortbestand und das Wohlergehen dieser Art in menschlicher Obhut, wächst das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) nun zum Vorzeigeprojekt für gemeinschaftlichen Artenschutz von Zoos (ex-situ) und Artenschutzpartnern im ursprünglichen Verbreitungsgebiet (in-situ). Und das auf globalem Niveau. Denn auch das Internationale Zuchtbuch des Weltverbandes (WAZA) wird im Zoo Schwerin geführt.

Noch gilt der Riesenotter in Argentinien als ausgestorben. Zuletzt wurde der größte der 13 Otterarten dort vor mehreren Jahrzehnten gesichtet. Als Konkurrent für Fischerei und wegen seines ausordentlich weichen Fells ausgerottet, soll er nun im National Park Iberá in der Provinz Corrientes wieder angesiedelt werden.

Die ersten Gespräche hierfür fanden im Rahmen eines Arbeitstreffens und Expertenaustausches in Kolumbien vor zwei Jahren statt, welches ebenfalls aus dem Zoo Schwerin heraus organisiert wurde. Von Beginn an miteingebunden sind Wissenschaftler der Internationalen Artenschutzunion (IUCN), die im Vorfeld das Projektgebiet ebenfalls intensiv begutachteten. Bereits im Frühjahr konnte das erste Riesenotterweibchen aus dem Zoo Budapest durch Schikora nach Argentinien vermittelt werden. Dort verbrachte das Tier, das auf den Namen Alondra hört, zunächst drei Monate in Quarantäne. Vor einer Woche war es nun soweit; mit der Überführung in das Übergangsgehege betrat erstmals nach Jahrzehnten wieder ein Riesenotter argentinischen Boden, bzw. Gewässer. Denn das 800 Quadratmeter große Übergangsgehege ist ein Abschnitt des Flusses und dessen Ufern, den die Riesenotter demnächst wieder besiedeln sollen. Dieses Gehege dient der Gewöhnung an die neue Umgebung, mit all ihren dortigen Tierarten, Pflanzen sowie den natürlichen Wetter- und sonstigen Umwelteinflüssen.

Riesenotter sind die größten Raubtiere in ihrem Lebensraum und stehen damit ganz oben auf der Nahrungspyramide. Hauptsächlich ernähren sich die in Familiengruppen lebenden Beutegreifer von Piranhas, Welsen und anderen Fischarten und übernehmen in dem fragilen Ökosystem eine wichtige Rolle. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, das sich von Guyana über das Amazonasgebiet bis ins Pantanal in Brasiliens erstreckt, leben wohl kaum mehr als 5000 dieser Otter. Der Bestand geht wegen stetem Lebensraumverlustes und steigender Umweltverschmutzung zurück. Etwa 120 Individuen der Art leben in Zoos weltweit, die Hälfte davon allein in Europa.

Natürlich ist eine Wiederansiedlung mit nur einem Weibchen nicht möglich. In den nächsten Jahren werden nach und nach weitere Tiere aus Zoos und Auffangstationen dorthin übersiedeln. Aktuell werden die Genehmigungen und Transportpapiere für ein junges Männchen aus einem dänischen Zoo vorbereitet, welches schnellst möglich als Partner für Alondra überführt werden soll. Zeitnah werden noch ein weiteres Männchen aus einem Zoo in Peru und ein Weibchen aus den USA oder Europa umsiedeln.

„Wir sind besonders stolz, dass der Zoo Schwerin bei einem solch spannenden Projekt mit Vorreiterfunktion wesentlich beteiligt ist. Und es freut uns umso mehr, dass wir auf diese Weise den Artenschutz in Zoos mit dem Erhalt der Art in der Wildbahn verbinden können“, so der Direktor und Koordinator Tim Schikora. „Natürlich ist es auch ein ganz besonders schöner Moment zu sehen, dass sich Alondra offensichtlich wohl fühlt, dort bereits eigenständig Fische jagt und Höhlen in der Ufervegetation anlegt“.

Tim Schikora konnte sich im National Park Iberá persönlich von den Abläufen, der Haltung und Versorgung, sowie dem Wohlergehen des Riesenotters ein Bild machen. Gemeinsam mit dem dortigen Team wurden auch weitere Gebiete erkundet, die für eine Wiederansiedlung tauglich sein könnten. Bis es im Schweriner Zoo Riesenotter gibt, wird es jedoch noch dauern. Für die Haltung der Art wäre wegen ihrer tropischen Herkunft unter anderem ein Warmhaus mit Wasserteil benötigt. Ein geeignetes Gebäude besitzt der Zoo aktuell nicht. Einen Zeitplan wird es nach Fertigstellung des Neubaus der Löwenanlage geben. Denn dann sind die Planungen und Zeitschienen künftiger Projekte für die Weiterentwicklung des Zoos bis in das Jahr 2035 abgeschlossen. Ein wichtiger Bau wird hierin sicher ein Haus für Riesenotter sein, welches dann auch für weitere attraktive aber bedrohte südamerikanische Arten zur Verfügung steht.


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