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27.03.2020, 09:27 Uhr  //  Kultur

Klassenfahrten im Norden vor dem Aus? Schullandheimen droht das Ende

Klassenfahrten im Norden vor dem Aus? Schullandheimen droht das Ende
 SLH Schloss Dreilützow (Bild) + (Text) // snaktuell.de


Dreilützow - Die aktuelle massenhafte Absage von Klassenfahrten durch die Corona-Krise bedroht die gemeinnützigen, oft kleinen, Schullandheime im Norden massiv. Die in den kommenden Monaten geplanten Einnahmen brechen vollständig weg. Es droht bis zu 2/3 der 70 Häuser die Schließung. Unverzichtbare Orte des sozialen Lernens in der Natur für zehntausende Kinder werden dauerhaft schließen, wenn keine schnelle Hilfe kommt.

Die Bedeutung: Weit über 300.000 Kinder und Jugendliche kommen pro Jahr auf ihren Klassen- und Ferienfahrten allein in die 70 Einrichtungen der norddeutschen  Schullandheimverbände in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Diese liegen vorwiegend im ländlichen Raum und bieten direkten Kontakt zur Natur. Viele Häuser halten Projektangebote zur Naturerfahrung und Umwelterziehung vor. Für die Mehrzahl dieser Kinder wird es diese Klassenreisen nicht mehr geben, wenn Politik und Gesellschaft jetzt nicht mit einem enormen Kraftakt diese Einrichtungen als strukturelle Elemente des Bildungswesens retten. Ca. 750.000 Gästeübernachtungen stellen gerade für strukturschwache Gegenden außerdem einen weitgehend konjunkturunabhängigen Wirtschaftsfaktor dar.

Die besonders dramatische Lage: Trotz drastischer Kostensenkungen, z.B. durch Kündigungen und Kurzarbeit, droht vielen Häusern in wenigen Wochen die Insolvenz. Die oft kleinen gemeinnützigen Träger haben meist wenige Rücklagen und sind nach der Winterpause zwischen November und März dringend auf die Einnahmen der kommenden Wochen angewiesen. Diese fehlen jetzt. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass unter den aktuellen Bedingungen nur etwa 1/3 der Einrichtungen überleben könnten, wenn keine rasche Hilfe zur Überbrückung dieser Krise kommt. Ob die oft ehrenamtlich geführten Vereine nach der Krise einen Neustart schaffen, ist gegenwärtig unklar. Gerade die kleinen naturnahen Häuser, die pädagogisch besonders wertvoll sind, würden oft als erstes und wahrscheinlich für immer schließen müssen.

Langfristige Folgen: Die seit 100 Jahren gewachsene Vielfalt von Schullandheimen und anderen Gruppenübernachtungshäusern zwischen Wald und Meer wäre in erheblichem Maße gefährdet. Wichtige Lernorte, an denen Millionen von Kindheitserinnerungen hängen, würden verschwinden. Zahlreiche Arbeitsplätze brächen dauerhaft weg. Ein Einbruch des zukünftigen Angebotes von kostengünstigen Klassenreisezielen würde für viele Klassen in den beliebten Jahreszeiten eine Reise unmöglich machen und eine Frage des Geldes werden. Gerade für Kinder wirtschaftlich schwacher Familien sind die Lernerfahrungen an anderen Orten wie Schullandheimen unverzichtbar und würden fehlen.

Um Abhilfe zu schaffen sind ein koordiniertes und länderübergreifendes Handeln zur Rettung von gemeinnützigen Klassenfahrtenzielen und schnelle Finanzhilfen zwingend notwendig. Die Stornokosten aller Klassen- und Kitagruppenfahrten müssen großzügig in allen Bundesländern von Sozial- und Schulbehörden übernommen werden. Selbst wenn dies geschieht, müssen die gemeinnützigen Einrichtungen zusätzlich unter die Rettungsschirme des Bundes und der Bundesländer fallen. Sonst haben sie keine Chance. Wir teilen die Sorge und die Forderungen aus dem beigefügten Brandbrief „Nie mehr Klassenfahrten?“.

Wir helfen mit: Viele unserer Häuser haben sich bereiterklärt, mit unseren tausenden Betten als Quarantänestandorte in der aktuellen Krise zur Verfügung zu stehen. Die Schullandheime im Norden Deutschlands schließen sich damit ausdrücklich, wie auch der Verband Deutscher Schullandheime, der Initiative von REISENETZ e.V. vom 19.03.2020 an.

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