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25.04.2020, 08:11 Uhr  //  Sport

„Das war meine schwerste Entscheidung“

„Das war meine schwerste Entscheidung“
 Michael Dittmer (Bild) Kathrin Wittwer/SSC (Text) // snaktuell.de


Schwerin - 20 Jahre Volleyball, 13 Jahre Nationalspielerin mit 240 Länderspielen, elf Jahre beim und 390 Spiele für den SSC, einmal Europavizemeisterin, sechs Meistertitel, dreimal DVV-Pokalsieger, dreimal Supercup, zweimal MVP der Liga, unzählige weitere nationale und internationale Erfolge – und nun ist Schluss, sagt Denise Hanke: Die Kapitänin und Zuspielerin des SSC Palmberg Schwerin und der deutschen Schmetterlinge, berühmt-berüchtigt für ihre Hammeraufschläge und ihre „linke Klebe“, sagt dem Volleyball ade. Die 30-Jährige wird beim SSC-Partner HELIOS Kliniken die Leitung des betrieblichen Gesundheitsmanagements übernehmen.

„Die Entscheidung, nach dieser Saison aufzuhören und ein neues Kapitel anzufangen, hatte schon länger festgestanden“, so Hanke. „Der Plan war aber, mit dem besten Team, das ich je hatte und das mir echt so ans Herz gewachsen ist, noch einmal Meister zu werden und dann zu gehen, wenn es am schönsten ist. Nach dem Abbruch der Saison bin ich deshalb noch mal heftig ins Wanken geraten.“ Nach einer so langen, glänzenden Karriere sang- und klanglos abtreten – ohne Titelkampf, ohne richtigen Abschluss? „Das war meine schwerste Entscheidung, die ich je getroffen habe, da habe ich lange mit mir gerungen. Aber am Ende wäre die einzige Motivation für eine weitere Saison gewesen, wenn das exakt gleiche Team noch mal angetreten wäre, um zusammen zu Ende zu bringen, was wir angefangen hatten und uns gemeinsam den Abschluss zu bescheren, den wir verdient haben. Das geht aber nicht, und ich muss auch nichts mehr beweisen. Da lasse ich den SSC lieber neu aufbauen.“

Bundes- und Clubtrainer Felix Koslowski geht damit seine wichtigste Spielerin verloren: Er muss jetzt eine neue Regie, eine neue Führungskraft finden, eine neue Schlüsselfigur auf dem Feld, das Verbindungsglied zwischen Team und Trainer, national wie im Verein. Das schmerzt, wenn man 13 Jahre lang gemeinsam einen Weg gegangen ist – und mehr als „nur“ ein Trainer-Spielerin-Gespann wurde. „Ich bin ein Riesenfan von Denise und als Trainer und Volleyballfan sehr traurig, wenn so eine Spielerin ihre Karriere beendet. Ich hatte nie eine Kapitänin mit einer solchen Sozialkompetenz wie Nisi, ich hätte mir keine bessere wünschen können. Wir haben eine große Vertrauensbasis, ich habe sie in allen Dingen um Rat und ihre Meinung gefragt und ihre Erfahrung und Unterstützung sehr geschätzt.“ So ungern er darauf verzichtet, sagt er aber auch: „Dass Nisi sich jetzt zurückstellt und anderen Platz macht, um zu reifen und in ihre Fußstapfen treten zu können, zeigt ihre Größe und wie gut sie den Sport versteht.“

Dabei war es alles andere als ein verheißungsvoller Moment, als die gebürtige Berlinerin zur Jahrtausendwende zum ersten Mal mit Volleyball in Berührung kam: „Als ich da mal zum Kiddietraining geschickt wurde, ging es eigentlich nur um eine sinnvolle Freizeit. Ich hatte nie den Kindheitstraum, mal Nationalspielerin zu werden. Und dann konnte ich das gut, und es haben mich immer wieder Leute in die richtige Richtung geschoben. Ich habe meine Karriere nie so geplant, vieles kam schicksalsmäßig, ist mir praktisch vor die Füße gefallen. Ich musste es nur aufheben und machen.“

2007 entschied sich die damals knapp 18-jährige VCO-Spielerin, von etlichen möglichen Angeboten das des SSC „aufzuheben“. Nach nur einem Jahr wurde die Linkshänderin mit dem Hang, den zweiten Ball gern selbst ins gegnerische Feld zu hauen statt an den Angriff weiterzugeben, hier zur Stamm-Zuspielerin. 2009 kam der erste Meistertitel, 2011 der nächste. Ihre Trainer in Verein und in der Nationalmannschaft hießen Tore Aleksandersen, Teun Beuijs, Giovanni Guidetti. Nach dem Doppel-Double Meister und Pokalsieger 2012 und 2013, nach Champions League-Spielen und der EM 2013 in heimischer Halle – „Das waren überragende Jahre, da hat man die Siege noch mit Unbekümmertheit gerockt.“ – machte sie den Schritt ins Ausland, erst zum türkischen Top-Club Eczacıbaşı Istanbul, danach ins polnische Wrocław. Glücklich wurde die Zuspielerin dort nicht, kehrte 2015, nun unter Chefcoach Koslowski, nach Schwerin zurück – und damit sukzessive in die Erfolgsspur: Ab 2017 kamen wieder die Titel. Mit den Jahren und wachsender Erfahrung übertrugen Trainer und Verein der Zuspielerin immer mehr Verantwortung. „Die Erwartungshaltung war sehr hoch. Mit dem Wissen, du bist jetzt der Erfolgsgarant, habe ich gut ein, zwei Jahre gekämpft, bis ich das verinnerlicht hatte. Aber dass der SSC von Anfang an so viel Vertrauen in mich gesetzt hat, mir so viel ermöglicht hat, dafür bin ich ewig dankbar.“

Diese „Paradekarriere einer Profisportlerin“, wie Felix Koslowski ihren Werdegang nennt, noch mit einem Triumph zu krönen, blieb ihr nun verwehrt. „Ich freu mich total auf die Perspektive und diese neue Herausforderung bei den HELIOS Kliniken. Es tröstet mich auch sehr, dass ich damit in Schwerin bleiben und weiter meine Nase beim SSC reinstecken kann. Trotzdem würde ich den Abschied gern noch nachholen. Mein großer Traum dafür ist, dass wir im Sommer 2021 ein Abschiedsspiel mit dem Dreamteam dieser Saison machen und noch mal alle, Verein, Fans und Spielerinnen, zusammen feiern“, so Hanke.

„Wir werden alles tun, um das zu ermöglichen“, verspricht Michael Evers aus der SSC-Teamleitung. „Mit Denise geht eine ganz große, ganz wichtige Spielerin des deutschen Volleyballs. Allein, dass jemand einem Verein über so lange Jahre die Treue hält, so ein integraler Bestandteil wird, ist inzwischen sehr außergewöhnlich, und dafür können wir ihr kaum genug danken. Wir lassen sie nicht gern gehen, weil sie einfach zu uns gehört. Aber natürlich wünschen wir ihr nur das Beste für ihre Zukunft und freuen uns immer, sie in der PALMBERG ARENA zu sehen.“

Dann hoffentlich auch wieder im großen Kreis der treuen SSC-Anhänger. „Ich bin den Fans unglaublich dankbar für ihre Unterstützung all die Jahre. Es war immer ein Fest, in der PALMBERG ARENA zu spielen und auch auswärts auf ihre Unterstützung zählen zu können“, betont Denise Hanke. „Ich wünsche mir sehr, dass alle diesem tollen Club auch weiter so zur Seite stehen, auch für die nächste Saison wieder ihre Dauerkarte kaufen, egal was kommt.“

Denise Hanke, geboren am 31. August 1989 in Berlin, fing 2000 beim Berlin Brandenburger Sportclub (BBSC) mit dem Volleyballspiel an. Über den VCO Berlin und den VCO Rhein-Neckar in Heidelberg kam sie 2007 als zweite Zuspielerin neben Kathleen Weiß nach Schwerin, machte hier am Sportgymnasium ihr Abitur und stand schon ab der Saison 2008/09 in der Stammformation. Nach zwei Auslandsjahren in der Türkei (2013/14) und Polen (2014/15) gehörte sie ab 2015/16 bis dato wieder zum SSC-Kader. Ab 2007 war Denise Hanke Teil der A-Nationalmannschaft. Ende 2018 übernahm sie die Kapitänsbinde bei den Schmetterlingen; in den Saisons 2012/13 und 2019/20 auch beim SSC. Insgesamt 390 Mal stand die Zuspielerin für den Rekordmeister auf dem Feld, holte mit dem Club sechs Meistertitel, dreimal den DVV-Pokal, dreimal den Supercup und diverse Top-Platzierungen in europäischen Wettbewerben.


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