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04.11.2013, 13:36 Uhr  //  Stadtgeschehen

Tatmesser gehört Mordangeklagten – Richter glaubt Verlobter nicht

Tatmesser gehört Mordangeklagten – Richter glaubt Verlobter nicht
 rkr (Bild) rk/rkr (Text) // snaktuell.de


Schwerin/ Lübeck – Unglaubliche Szenen gab es am vierten prozesstag im Mordprozess um den gewaltsamen Tod an einer 29-jährigen Joggerin aus Lübeck, die am Sonntagvormittag des 7. Juli dieses Jahres in einem Waldstück bei Herrnburg (Nordwestmecklenburg) ermordet wurde. Daniela E. (35), die Verlobte des Angeklagten Norman L. (45), sagte am Montag vor dem Schweriner Landgericht als Zeugin aus. Im Vorwege habe eine Mitarbeiterin der Familienhilfe, die die Familie von Norman L. und Daniela E. betreute ausgesagt, dass das gefundene Tatmesser der 35-jährigen gehört haben soll und sie es dem mutmaßlichen Mörder geschenkt haben soll (SN-AKTUELL berichtete). Das und viele andere Sachen kamen heute ans Tageslicht.

Die arbeitssuchende Mutter von fünf Kindern brachte mit ihren widersprüchlichen Aussagen vor dem Richter alle Anwesenden im Saal zum Staunen. „Ich bin schuld“, sagte sie und gab vor ihrer Aussage an, dass sie die Verlobung nie gelöst hatte, obwohl ihr ein Freund dazu riet. Der Richter stellte ihr daraufhin ein Aussageverweigerungsrecht in Aussicht. Sie lehnte dieses ab und gab Auskunft, dass Norman L. ein liebevoller Vater sei und die räumliche Trennung nur darauf beruhte, dass sie sich mit ihm nicht so oft streiten wollte. Die Kinder (davon sind vier von dem Angeklagten) vermissen ihren Vater und würden aus den Einrichtungen, wo sie zurzeit leben, wieder nach Hause kommen, wenn er freigesprochen würde. Den Verlobungsring hatte sie nur zufällig abgenommen, als die Presse bei ihr zu Hause war. Im Gerichtssaal trug sie am heutigen Tage den Verlobungsring genauso wie der 45-jährige selbst auch. Sie gab an Schuld an der ganzen Geschichte zu sein, da sie in einer Freizeitsportanlage in Lübeck-Eichholz einen Job anfing und dadurch die Familie und die Wohnung vernachlässigte. „Das war ein großer Fehler“, sagte E. dem Richter. Am 31. Juli sowie am 28. August besuchte sie ihren Verlobten in der Untersuchungshaft und schwor ihm „ewige Liebe“. „Selbst bei einer Verurteilung würde ich zu ihm halten, da er dann unschuldig im Gefängnis sitzen würde“, gab die 35-jährige an. Bei dem Besuch fragte Daniela E. den mutmaßlichen Mörder nach der Tat und wollte wissen, ob er die Joggerin umbrachte. Er antwortete: „Ich war es nicht oder kann mich nicht daran erinnern.“ Den Saalanwesenden waren geschockt und blickten entgeistert auf den Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft und auch der Verteidiger waren sprachlos. Es sind jedoch viele Widersprüche ihn ihren Aussagen zu erkennen, wie der vorsitzende Richter feststellte. Daraufhin erhöhte er die Taktung bei der Befragung von Daniela E., die immer mehr unter Druck geriet. „Ich glaube ihnen nicht. Sie sagen hier vor Gericht die Unwahrheit“, warf er ihr vor. Die Zeugin widersprach sich abermals, was auch ihren (Ex-)Verlobten, den Angeklagten, nervös machte. Norman L. riss seinem Verteidiger eine Akte aus der Hand und blätterte wild darin herum. Das war so offensichtlich, dass alle im Saal dieses mitbekamen. Der Prozess scheint eine klare Richtung zu bekommen, denn die Chancen des Angeklagten schwinden von Minute zu Minute. Zum Messer gab Daniela E. auch Auskunft: „Ja, das Messer gehörte mal mir und Norman hat es an sich genommen um es zu entsorgen“, sagte sie. Der Presse hätte sie die ganzen schlimmen Sachen über ihn erzählt, weil sie dachte, er wäre die tote Person aus der Palinger Heide. „Die Zeitung hat mich ausgetrickst“, meinte sie vorwurfsvoll. Sie gab außerdem an, dass sie den Angeklagten noch am Sonntagnachmittag der Tat getroffen habe und er dort „ganz normal“ wirkte. Auch an den darauffolgenden Tagen hatte sie Kontakt zu ihm. Verwundert war der Richter, als sie angab, Norman L. am Vormittag nach seiner Verhaftung in seiner eigenen Wohnung getroffen zu haben. Hier fragte der Richter mehrfach nach, ob sie sich sicher sei. Sie blieb bei ihrer Aussage, was auch hier für Erstaunen bei allen mit sich brachte. Danach ging es in eine größere Pause, die das Gericht ansetzte.

Auch der Ehemann Matteo C. des Opfers Anna-Lena U. wohnte wieder dem Prozesstag bei. Er wurde von zwei Sicherheitsbeamten begleitet. Vor der Verhandlung wurde eine erhöhte Sicherheitsstufe vom Richter ausgerufen.

Unsere Reporter von SN-AKTUELL sind heute bei dem Prozess anwesend und werden berichten.

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