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06.11.2013, 11:26 Uhr  //  Stadtgeschehen

Ein Nachwort zum Vortrag von Kazuhiko Kobayashi

Ein Nachwort zum Vortrag von Kazuhiko Kobayashi
 BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN MV (Bild) + (Text) // www.snaktuell.de


Schwerin - Organisiert von den Schweriner Grünen stieß der Vortrag des japanischen Germanisten Kazuhiko Kobayashi am Montagabend im Schleswig-Holstein-Haus  auf viele aufmerksame Ohren und beeindruckte sehr. Er vermittelte ein Bild des Grauens, wie es z.Zt. in der Region Fukushima herrscht. Nicht nur, dass die Menschen der Region von ihrer Regierung im Stich gelassen und Entschädigungen so gut wie gar nicht gezahlt würden. Die japanische Regierung stecke die Milliarden, die dringend in Fukushima gebraucht würden, stattdessen lieber in die Vorbereitungen für Olympia 2020 in Tokio, das weit (ca. 240km) von dem Ort der Katastrophe entfernt liege.

Mit seinen kürzlich in der Provinz Fukushima aufgenommenen Bildern demonstrierte Herr Kobayashi, dass die Japanische Regierung die Menschen dort immer noch systematisch hintergeht, manipuliert und belügt, wobei es ihr vollkommen gleichgültig ist, welche Konsequenzen diese Arroganz in naher Zukunft für die Betroffenen haben wird. Als Beispiel zeigte er unter anderem Bilder von den öffentlichen Messstationen, die zu Tausenden an Plätzen, Straßen und anderen markanten Punkten installiert wurden. Abgesehen davon, dass diese öffentlichen Messstationen mit ihren gut lesbaren Displays von der Firma Toshiba produziert wurden – dieselbe Firma, die in Japan auch maßgeblich an der Errichtung von Atomkraftwerken beteiligt ist - wies Herr Kobyashi sehr anschaulich nach, dass die angezeigten Messwerte jeweils exakt die Hälfte der aktuell vorherrschenden Strahlungsdosis anzeigen, indem auf ein und demselben Bild neben dem öffentlichen Display die Werte eines kalibrierten Messgerätes (Geigerzähler) gezeigt wurden.

Ein weiteres Beispiel: Die Kinder in der Provinz Fukushima werden mit Dosimetern ausgestattet, deren Werte jeden Morgen von ihren Lehrern ausgelesen und gesammelt weitergegeben werden. Weder werden sie den Eltern mitgeteilt, noch werden unmittelbare Handlungen aus den Ergebnissen abgeleitet. Den örtlichen Ärzten ist es unter Androhung des Verlustes ihrer Approbation verboten, Kinder zu untersuchen oder gar zu behandeln; nur einige wenige Mutige aus entfernten Provinzen, die extra eingeflogen werden, nehmen sich ehrenamtlich der Kinder an. Diese Darstellung systematischer Fälschung und verbrecherischer Manipulationen durch Regierungsstellen empfand das Publikum im SHH nicht nur als vollkommen unglaublich, sondern sie erinnerte die Älteren an hochtrabende Versprechungen in der Vergangenheit im eigenen Land, die ebenfalls alle gelogen waren. Bis heute wird uns ja immer noch die Lüge vom billigen Atomstrom vorgebetet – früher war er angeblich sogar  neben billig obendrein noch sicher. Dass im Laufe der Jahrzehnte mehr als 300 Milliarden € an Steuermitteln in diese Energieform geflossen sind, wird bis heute gerne verschwiegen – von den unabsehbaren Folgekosten für eine vermeintlich für die Ewigkeit sichere Endlagerung mal ganz abgesehen.

Nach dem beeindruckenden Vortrag ergab eine Sammlung für „die Kinder von Fukushima“ ein recht ansehnliches Ergebnis. Herr Kobayashi lässt dieses Geld einer Bürgerinitiative zukommen, die damit Kindern der Region Fukushima ermöglicht, in weiter entfernt liegenden Kurorten Japans ein paar erholsame Wochen zu verbringen. Hieran schloss sich noch eine lebhafte Diskussion, die anstelle von Hilf- und Ratlosigkeit gleich noch zukünftige Aktivitäten von „Menschen gegen jegliche Nutzung von Atomkraft“ anregte: Wohlwissend, dass das Problem radioaktiver Verseuchung nicht an nationalen Grenzen haltmacht, bleibt als Maßnahme nur eine starke internationale Organisation, die über Ländergrenzen hinweg vernetzt ist, sich austauscht und Aktivitäten gegen weitere sinnlose und gefährliche Aktivitäten der Atomlobbys bündelt. Ihr Ziel müsse ganz klar sein, den atomaren Wahnsinn ein für allemal zu stoppen und angerichtetes Unheil verantwortungsvoll und fachgerecht zu beherrschen bzw. dies zumindest zu versuchen, damit die Menschheit eine möglichst strahlungsfreie Zukunft hat!

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