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09.08.2014, 21:41 Uhr  //  Stadtgeschehen

Die wandelbare BERTHA - Hurrikan BERTHA nähert sich

Die wandelbare BERTHA - Hurrikan BERTHA nähert sich
 DWD (Bild) Dipl.-Met. Adrian Leyser/DWD (Text) // www.snaktuell.de


Schwerin - Kaum erscheint sie als Tiefdruckgebiet auf den europäischen Wetterkarten, ist sie schon in aller Munde. Der ehemalige Hurrikan BERTHA nähert sich derzeit allmählich vom Atlantik her und sorgt an diesem Wochenende als ausgewachsenes Sturmtief noch für turbulentes Wetter in einigen Teilen Europas. Ein Sturmtief im August? Das ist durchaus ungewöhnlich.

Von einstmaligen tropischen Wirbelstürmen, die als Tiefdruckgebiete in außertropischen Breiten weiterleben, hört und liest man jedoch desÖfteren. Doch was genau passiert während diesem "wandelhaften Leben" der Stürme?

Statistisch gesehen erreichen etwa die Hälfte der Hurrikans (so bezeichnet man Wirbelstürme über dem nördlichen Atlantischen Ozean sowie dem Nordpazifik) auf einem Weg nach Norden subtropische und später mittlere Breiten und wandeln sich dabei in außertropische Tiefdruckgebiete um. Meteorologen bezeichnen diesen Prozess 
minimalistisch als "ET". Gemeint ist natürlich nicht der sympathischeaußerirdische aus einem Kultfilm der 80er Jahre. Es handelt sich dabei um ein Akronym des englischen Begriffs "extratropical transition", was übersetzt so viel heißt wie "extratropische 
Umwandlung" und für einen völlig irdischen, nämlich atmosphärischen Vorgang steht. So kurz die Bezeichnung auch ist, die "ET" ist ein komplizierter und noch nicht vollends verstandener Umwandlungsprozess. Reduzieren lässt er sich auf die Tatsache, dass 
die Wirbelstürme bei der "ET" fortwährend die Eigenschaften eines tropischen Sturmes verlieren und die eines außertropischen Tiefdruckgebietes annehmen. Doch worin unterscheiden sich diese beiden atmosphärischen Systeme nun?

Tropische Wirbelstürme entstehen meist nur über warmen und großen Wasserflächen etwa zwischen dem südlichen und nördlichen 30. Breitengrad in ausreichendem Abstand zum Äquator. Das warme Wasser ist bei der Entwicklung der Stürme die Hauptenergiequelle. Durch Verdunstung von Wasser wird der Wasseroberfläche Wärmeenergie entzogen, die bei der Kondensation (Wolkenbildung) in der Atmosphäre wieder frei wird. Dabei steigt die Lufttemperatur an und führt zu einem relativ zur Umgebung wärmeren Sturmkern. Der Sturm nutzt diese "fühlbare" Wärmeenergie und wandelt sie in Bewegungsenergie (vertikale und horizontale Luftbewegungen) um. Solange das warme Wasser als Energiequelle zur Verfügung steht, kann der Wirbelsturm "weiterleben".

Außertropische Tiefdruckgebiete dagegen leben nicht unmittelbar von warmem Wasser, auch wenn auch dies nützlich für die weitere Entwicklung sein kann. Die Tiefdrucksysteme der gemäßigten Breiten entstehen meist im Bereich der sogenannten Polarfront, die sich um die gesamte nördliche und südliche Erdhalbkugel zwischen dem 35. und 65. Breitengrad "schlängelt". Meteorologen verstehen darunter die durch hohe horizontale Temperaturgradienten auffallende Übergangszonezwischen sehr kalter Luft polaren Ursprungs und der wärmeren Luft gemäßigter Breiten. Der große Temperaturgegensatz stellt für die Tiefdrucksysteme analog zum warmen Meereswasser bei tropischen Wirbelstürmen ein großes Energiereservoir dar. Durch gleichzeitiges Einbinden warmer und kalter Luftmassen in die Zirkulation um das Tiefzentrum bilden sich Kalt- und Warmfronten aus, die wiederum die Übergangszone zwischen unterschiedlich temperierter Luft repräsentieren. Im Gegensatz zu den tropischen Wirbelstürmen, deren Kern eine durchweg warme und nahezu kreisrunde "Warmluftblase" darstellt und somit keine Fronten ausbilden kann, weisen entwickelte, außertropische Tiefdruckgebiete eine, hinsichtlich der Zirkulation umdas Tiefdruckzentrum asymmetrische Anordnung kalter und warmer Luftmassen auf.

Kommen wir zurück zu BERTHA. BERTHA entstand aus einem Gewittersystemetwa 400 km ostsüdöstlich von Barbados und trat bereits am 1. August als tropisches Tiefdruckgebiet in Erscheinung. Auf ihrem Weg nordwestwärts überquerte BERTHA das Karibische Meer, am 2. August dieDominikanische Republik und entwickelte sich wenig später zwischenzeitlich zu einem Hurrikan der ersten Kategorie (Windböen bis 150 km/h). Im weiteren Verlauf bog BERTHA ab und verlagerte sich entlang der nordamerikanischen Ostküste nordostwärts. Da die Wassertemperaturen dabei sukzessive abnahmen und auch andere Entwicklungsfaktoren negativ ins Gewicht fielen, schwächte sich BERTHA zunächst rasch ab. Am 6. August wurde BERTHA dann als 
"außertropisches Tiefdruckgebiet" analysiert und zog nach erneuter Intensivierung auf einer nun immer östlicheren Zugbahn auf den Nordatlantischen Ozean hinaus (siehe dazu die Grafik der Zugbahn, zu finden rechts auf www.dwd.de in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). Was war passiert? Auf ihrem Weg entlang der US-Ostküste näherte sich BERTHA immer mehr der Polarfront und damit eben einem 
Gebiet größerer Temperaturgegensätze. Zunehmend wurden kältere Luftmassen in die Zirkulation eingebunden. BERTHA wies keinen durchweg warmen Kern mehr auf, sondern bildete Fronten aus - die "ET"war in vollem Gange. Nachdem das warme Meereswasser als Energiequellenach und nach versiegte, sorgten die hohen Temperaturgegensätze an 
der Polarfront zudem für einen neuen "Energieimpuls" - BERTHA kam sprichwörtlich "in den zweiten Frühling". Eine solche Intensivierung nach zwischenzeitlicher Abschwächung ist für Tiefdruckgebiete während der "ET" typisch.

Ebenfalls typisch sind die Probleme, die die Wettermodelle mit solchen Systemen haben. Oft leidet die Prognosegüte, wenn sich im Vorhersagegebiet tropische Wirbelstürme in einer "ET" befinden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die weitere Entwicklung von BERTHA und auch die Auswirkungen auf unser Wetter bis zuletzt unklar 
bleiben. Nach derzeitigem Stand wird sich BERTHA bis Sonntagabend über Südirland und England bis ins Seegebiet östlich von Schottland verlagern und dabei einen minimalen Kerndruck von nahe 980 hPa erreichen - sehr beachtlich für August. Für Deutschland bedeutet das kräftige Schauer und Gewitter, die im Laufe des Sonntags von Westen aufkommen. Im Gegensatz zu den letzten Gewitterlagen ist neben heftigem Starkregen auch verstärkt mit Sturmböen, örtlich auch schweren Sturmböen sowie größerem Hagel zu rechnen. Ex-Hurrikan BERTHA kann es also noch ...

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