Schwerin – Das Stadtarchiv der Landeshauptstadt ist um bedeutende Dokumente zur Geschichte des Rudersports in Schwerin reicher. Die Schweriner Rudergesellschafft hat einen Großteil ihrer historischen Quellen zur Vereinsgeschichte dem Stadtarchiv als Dauerleihgabe übergeben. „Rudern ist ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte“, sagt Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten. „Seit über 150 Jahren wird auf den Schweriner Seen kontinuierlich Rudersport betrieben. Die Herzogliche Familie gehörte zu den starken Förderern.“
So zeigt ein Foto Großherzog Friedrich Franz III. als begeisterten Ruderer, der mit seinem Einer „Bravo“ über den Schweriner See fuhr. Zu den weiteren Dokumenten, die nun im Stadtarchiv unter konservatorischen Bedingungen sicher aufbewahrt werden, zählen Chroniken, Fotoalben, Zeichnungen von Bootshäusern und Exemplare der Vereinszeitschrift aus verschiedenen Jahren. Sie berichten über Erfolge bei Regatten und über das Vereinsleben.
Einblicke in die frühe Schweriner Gesellschaft
Die Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75 e.V. ist aus dem Zusammenschluss der Vereine Ruderverein Schwerin und Ruderverein Vorwärts hervorgegangen. Von den einst sieben Rudervereinen blieben zwei übrig. Der Nachlass des Ruderclubs Obotrit wurde 1999 an die Schweriner Rudergesellschaft übergeben. Dazu zählt auch die Chronik des RC Obotrit. Sie war zwischenzeitlich verlorengegangen. Mitarbeiter einer Recycling-Firma in Meißen hatten sie im Altpapier gefunden. Die Chronik wurde glücklicherweise nicht vernichtet und nach Schwerin zurückgebracht.
„Rudern war eine Mixtur aus Sport und Geselligkeit“, erzählt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Landeshauptstadt, Dr. Jakob Schwichtenberg. „Im Unterschied zu anderen Städten, waren Frauen von Anfang an mit dabei. Die Fotos und Chroniken geben damit Einblicke in das Schweriner Gesellschaftsleben. Das ist von unschätzbarem Wert.“
Vereinsgeschichte wird für die Öffentlichkeit zugänglich
„Im Verein haben wir beraten, wie wir mit den Chroniken und anderen historischen Dokumenten umgehen“, so Volker Tremel von der Schweriner Rudergesellschaft. „Im Bootshaus haben wir dafür wenig Platz. Mit der Übergabe an das Stadtarchiv schaffen wir eine Win-Win-Situation. Wir freuen uns über das große Interesse der Historiker. Durch die fachgerechte Archivierung machen wir die Vereinsgeschichte für die Öffentlichkeit zugänglich.“
Dass die Schweriner Rudergesellschaft solch eine umfangreiche Sammlung zu ihrer Geschichte vorweisen kann, ist vor allem der Leidenschaft des Ruderkameraden und Vereinschronisten Hanning Wüsthoff zu verdanken. Wüsthoff, früher selbst aktiver Ruderer, Deutscher Meister 1958 im Vierer ohne und in den 1980er Jahren nationaler und internationaler Schiedsrichter, archivierte über Jahrzehnte wichtige Unterlagen des Vereins. Die Vereinsgeschichte bereitete er 2005 in dem mittlerweile vergriffenen Buch „Rudersport in Schwerin – 1871 bis heute“ auf. Noch immer ist es das wichtigste Nachschlagewerk zur Entwicklung des Rudersports in Schwerin.
