Schwerin – „Kati, das hier ist echt voll krass!“ Treffender hätten die Kinder der „Feldstadtmäuse“ ihr neues Haus gegenüber Kita-Leiterin Kathrin Lange wohl kaum beschreiben können. Jahrelang waren sie in der benachbarten alten Villa zu Hause, seit 2025 konnten sie durch ein Sichtfenster im Bauzaun Tag für Tag verfolgen, wie ihre neue Kita Gestalt annahm. Nun haben 105 Kinder den Neubau in der Bleicherstraße bezogen – mit großen Augen, ganz ohne Berührungsängste und bei der offiziellen Eröffnung mit zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft.
„Im Vorfeld stellt man sich ja vor, wie die Kinder die neuen Räume erobern. Und das mitzuerleben, war einfach wunderbar“, erzählt Kita-Leiterin Kathrin Lange. Selbst Kinder, die in der alten Villa eher zurückhaltend gewesen seien, hätten sofort begonnen, das neue Haus zu entdecken. Dass dabei bewusst auf Reizüberflutung verzichtet wurde, ist Teil des Konzepts. Helles Holz prägt die Wände, auf viele bunte Elemente und Bilder wurde verzichtet. „Das ist für die Wahrnehmung der Kinder besser“, erklärt Lange.
Der Neubau bietet den „Feldstadtmäusen“ deutlich mehr Möglichkeiten als ihr bisheriges Zuhause. Mehrzweckraum, Atelier, Natur- und Umweltraum sowie eine Architekten- und Schreibwerkstatt, die direkt in den Bauraum übergeht, gehören dazu. Zwei zusätzliche Räume stehen für Physio- und Ergotherapie zur Verfügung. Das Inklusionskonzept der Einrichtung lässt sich in dem barrierearmen Neubau nun deutlich besser umsetzen. Besonders viel Erfahrungen hat das Team in der Betreuung autistischer Kinder.
Kita gGmbH-Geschäftsführerin Anke Preuß erinnerte in ihrem Grußwort an die besondere Geschichte des vorigen Hauses, das einst Kriegswaisen, namibischen Kindern und Heimkindern ein Zuhause bot. Bereits 2017 begannen die ersten Überlegungen für einen Neubau. „Ich hatte versprochen, dass es toll wird, und so ist es auch“, sagte Preuß. „Die neue Kita „Feldstadtmäuse“ ist eine weitere hinzugekommene Perle auf der Kette unserer vielen neuen Kindertageseinrichtungen. Unser besonderer Dank gilt dem Architekturbüro Brenncke und den beteiligten Bauunternehmen für ihre Ideen und ihr Engagement.“ Denn baulich setzt die neue Kindertageseinrichtung Maßstäbe. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers bezeichnete den Hybrid-Bau als „beispielhaft für Nachhaltigkeit“. Das Erdgeschoss wurde aus Beton, das Obergeschoss aus Holz errichtet. Sole-Wärmepumpe, Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher und Teillüftungsanlage ergänzen das Konzept. Insgesamt investierte das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) 6,5 Millionen Euro. Bodentiefe Fenster öffnen den Blick ins Grüne, im Obergeschoss gibt es einen gesicherten Außenbereich. Draußen warten unter anderem Tunnel, Rutschen, Fahrstrecken und Schaukeln auf die Kinder.
Zur Eröffnung gratulierte auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Ihr Besuch galt dabei gleich zwei Anlässen: Neben dem neuen Haus feiert die Kita gGmbH in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Als persönliche Anerkennung für die geleistete Arbeit überreichte Schwesig eine Ehrenmünze der Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern an Anke Preuß. Den symbolischen Schlüssel für das neue Gebäude übergab die neue Werkleiterin des ZGM, Dr. Valerie Isabel Elss, an Kita-Leiterin Katrin Lange. „So ein Haus ist zunächst nur eine Hülle, die Sie und die Kinder jetzt mit Leben füllen“, sagte Elss und sicherte zu, dass das Zentrale Gebäudemanagement der Einrichtung auch künftig als Vermieter und Objektbetreuer zur Seite steht. Wie gut das neue Haus bei seinen jüngsten Nutzern ankommt, zeigte sich auch beim gemeinsamen Rundgang zur Eröffnung. Die fünfjährige Carlotta hat vor allem die Einbauten in den Fluren für sich entdeckt: „Da sind Schränke zum Reinklettern und eine Kuschelecke!“ An den Toiletten gefällt ihr, dass jede Tür ein eigenes Gesicht trägt und es drei verschiedene Toilettengrößen gibt. Die vierjährige Lotta zieht es dagegen in den Rollenspielraum. Bei der Frage nach ihrem Lieblingskostüm muss sie nicht lange überlegen: „Elsa!“
Dass die Kinder längst dabei sind, ihre neue Welt mit Leben zu füllen, bewiesen sie auch beim Eröffnungsprogramm: Vom „Feldstadtmäuse-Lied“ bis zum „Körperteil-Blues“ wurde gesungen, zudem trugen die Kinder zwei Gedichte vor. Carlotta präsentierte eines davon auf Plattdeutsch – passend zum regelmäßigen plattdeutschen Angebot der Einrichtung. So wurden Alt und Neu auch auf diese Weise miteinander verbunden.
