Schwerin – Ab dem 16. April greift beim Nahverkehr Schwerin ein erweitertes Sicherheitskonzept, um die Sicherheit in den Bussen und Straßenbahnen zu erhöhen und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste sowie der Mitarbeitenden zu stärken. Geplant sind verschiedene Maßnahmen wie das Halten auf Wunsch und die Einführung eines zusätzlichen Sicherheitsdienstes.
Der Nahverkehr ist grundsätzlich kein unsicherer Raum. Dennoch ist das subjektive Empfinden einiger Fahrgäste ein anderes. Die rückläufige Kriminalität, die sich aus der Polizeilichen Kriminalstatistik Mecklenburg-Vorpommerns ergibt, spiegelt sich nicht direkt in der Wahrnehmung der Fahrgäste im Nahverkehr wider. Für mehr Sicherheit in den Straßenbahnen und Bussen greift ab dem 16. April ein erweitertes Sicherheitskonzept mit verschiedenen Maßnahmen, die auch das Sicherheitsempfinden deutlich verbessern sollen.
„Unsere Verkehrsmittel sind zwar sicher, werden von vielen Fahrgästen aber nicht immer so empfunden. Wo viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, lassen sich Spannungen mitunter nicht vermeiden. Genau hier setzen wir an: Mit einem erweiterten Sicherheitskonzept stärken wir gezielt Schutz, Präsenz und Prävention – für mehr Vertrauen und ein besseres Gefühl bei unseren Fahrgästen und Mitarbeitenden“, sagte Thomas Schlüter, Geschäftsführer der Nahverkehr Schwerin GmbH. Für das erweiterte Sicherheitskonzept setzt der NVS auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren – mit der BIP Dienstleistungen GmbH sowie mit der Polizei. „Das aktuelle Sicherheitskonzept des NVS stellt eine sinnvolle Erweiterung der Sicherheitsarchitektur im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt dar. Die Maßnahmen sind geeignet, um als Ergänzung der polizeilichen Präsenz in der Stadt das Sicherheitsgefühl der Nahverkehrsnutzenden sowie der Belegschaft zu stärken. Ebenso kann die Zusammenarbeit mit der Polizei hierdurch weiter optimiert werden“, betonte Kriminaldirektor Mattes Pienkoß, Leiter der Polizeiinspektion Schwerin.
Einführung eines zusätzlichen Sicherheitsdienstes
Als Ergänzung zu vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen, wie beispielsweise einer Kameraüberwachung in den Fahrzeugen des NVS, wird ab dem 16. April 2026 ein zusätzlicher Sicherheitsdienst auf den Bus- und Straßenbahnlinien eingeführt – zunächst für einen
zwölfmonatigen Testlauf. Umgesetzt wird die Maßnahme durch den Dienstleister BIP, der bereits seit drei Jahren in der Fahrgeldsicherung und Fahrscheinkontrolle für den NVS im Einsatz ist. Die Sicherheits- und Servicekräfte, die für den Einsatz im Öffentlichen Nahverkehr speziell geschult sind, werden an mehreren Tagen in der Woche gezielt in den Bussen und Straßenbahnen, sowie an Haltestellen im Einsatz sein. Dabei stehen insbesondere jene Schwerpunkte im Fokus, die regelmäßig sowohl auf Grundlage von Auswertungen als auch durch Hinweise von Fahrgästen und Fahrpersonal ermittelt werden. „Wir sind kein klassischer Wachschutz, sondern ein auf Fahrgeldsicherung und Sicherheit im ÖPNV spezialisierter Dienstleister – und genau das macht den Unterschied. Vom Geschäftsführer bis zum Mitarbeitenden sind wir zu einhundert Prozent in diesem Thema verankert und bringen diese Spezialisierung mit aktuell 170 Fahrausweisprüfenden und ÖPNV-Sicherheitskräften täglich unter anderem in Schwerin, Rostock, Berlin und Potsdam auf die Straße. Unsere Sicherheits-Teams verbinden Sicherheit, Service und Fahrausweisprüfung zu einem ganzheitlichen Ansatz, der weit über reine Präsenz hinausgeht“, so Christian Blümel, Geschäftsführer der BIP Dienstleistungen GmbH.
Die Aufgabe des Sicherheitsdienstes ist neben der Durchführung von Fahrausweiskontrollen und damit der Durchsetzung der Beförderungsbedingungen die niedrigschwellige Intervention. Durch Prävention und die Präsenz der geschulten Sicherheitskräfte soll das Wohlbefinden der Fahrgäste, die sich in gewissen Situationen unsicher fühlen, maßgeblich gesteigert werden. Die Sicherheitskräfte in Bus und Straßenbahn werden während ihrer Einsätze stets von einem gekennzeichneten Fahrzeug begleitet und bleiben somit in Bezug auf den Einsatzort flexibel.
„Unsere Erfahrungen aus Rostock zeigen klar, dass dieses Modell wirkt: Das Sicherheitsempfinden von Fahrpersonal und Fahrgästen, insbesondere von Frauen, hat sich spürbar verbessert“, so Christian Blümel weiter. „Umso mehr schätzen wir das Vertrauen des Nahverkehrs Schwerin, bewusst nicht auf einen einfachen Standardansatz zu setzen, sondern diesen spezialisierten Weg zu gehen.“ Die Sicherheitsteams von BIP und die NVS-Leitstelle stehen kontinuierlich in engem Austausch.
Halten auf Wunsch nach 20 Uhr auf den Buslinien
Eine weitere Maßnahme sieht im Rahmen des Sicherheitskonzepts das Halten auf Wunsch vor. Fahrgäste haben nach 20 Uhr auf den Buslinien die Möglichkeit, Wunsch- bzw. Bedarfshalte zwischen zwei regulären Haltepunkten beim Fahrpersonal anzumelden. Nach persönlicher Rücksprache beim Einstieg entscheidet das Fahrpersonal nach eigenem Ermessen, ob dem Wunsch des Fahrgastes nachgekommen werden kann. Für die Entscheidung müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden – verkehrsrechtliche Vorschriften ebenso wie eine etwaige Gefährdung der Fahrgäste beim Ausstieg oder mögliche Auswirkungen auf den Betriebsablauf, wie beispielsweise Verspätungen. Der Ausstieg außerhalb der Haltestellen muss zur besseren Einschätzung der Situation deshalb vorn über die erste Tür erfolgen und es kann keine Barrierefreiheit gewährleistet werden. Auch das Halten auf Wunsch wird zunächst für ein Jahr getestet.
In diesem Zuge entfällt ab dem 16. April 2026 der generelle Einstieg über die erste Tür auf den Buslinien. Fahrgäste können die Busse künftig über alle Türen betreten, wodurch der Komfort beim Einstieg gesteigert werden soll. Unübersichtliche Situationen insbesondere an vollen Haltestellen werden so schneller entzerrt und etwaige Verspätungen vermieden. Über das Hausrecht behält das Fahrpersonal jedoch weiterhin die Möglichkeit, bei Bedarf und im eigenen Ermessen Fahrausweiskontrollen durchzuführen.
Sicher ans Ziel
Das Sicherheitskonzept der Nahverkehr Schwerin GmbH in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Schwerin und dem Sicherheitsdienstleister BIP begrüßt auch der stellvertretende Oberbürgermeister und Verkehrsdezernent Bernd Nottebaum: „Wir stellen in Schwerin erhebliche Mittel für einen leistungsfähigen ÖPNV bereit und wollen, dass sich die Fahrgäste in Bussen und Bahnen jederzeit sicher fühlen. Ich bin überzeugt, dass zeitgemäße Maßnahmen wie zusätzliche geschulte Sicherheitskräfte oder der Bedarfshalt von Bussen in den Abendstunden bei den Schwerinerinnen und Schwerinern große Zustimmung finden werden und den Praxistest bestehen.“
„Die Sicherheit im Schweriner Nahverkehr ist ein zentrales Anliegen, das wir und unsere Partner gemeinsam verantwortungsvoll angehen. Unsere Aufgabe ist es, unsere Fahrgäste pünktlich und vor allem sicher ans Ziel zu bringen“, sagte Thomas Schlüter abschließend.
