
Wismar – In der Wismarer Bucht herrscht ein zweites Mal bittere Gewissheit. Was viele Tierschützer und Beobachter seit Tagen befürchtet haben, ist nun traurige Gewissheit: Für den gestrandeten Buckelwal “Timmy“ wird es keine aktive Rettung geben – wie also schon vor Ostern, als die handelnden Personen vor Ort schon kommunizierten. Trotz des leicht gestiegenen Wasserpegels, der dem Tier kurzzeitig Erleichterung verschaffte, bleiben die verantwortlichen Wissenschaftler bei ihrem harten Urteil. “Timmy wird sterben!“
Das wissenschaftliche Todesurteil
Prof. Burkard Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund und sein Team des stellten am Dienstag unmissverständlich klar, dass eine Rettung ausgeschlossen ist. Die Experten bewerten den Zustand des Wals als zu kritisch für jegliche Transportversuche. „Das Tier ist nicht transportfähig“, so die klare Ansage. Man befürchtet, dass Timmy bei einem Hebeversuch – sei es durch Kräne oder spezialisierte Schiffe – unter seinem eigenen Gewicht zerquetscht würde oder das Herz-Kreislauf-System sofort kollabiert.
„Begleitetes Sterben“ statt Rettungs-Katamaran
Alle zwischenzeitlich diskutierten technischen Optionen, wie der Einsatz eines dänischen Spezial-Katamarans oder das Unterspülen mit Gurten (SN-AKTUELL berichtete), wurden von der wissenschaftlichen Leitung verworfen. Die Gefahr, das Leiden des Tieres durch einen gescheiterten Rettungsversuch nur künstlich zu verlängern, wird als zu hoch eingeschätzt. Die offizielle Strategie lautet nun: „begleitetes Sterben“. Man überlässt den Wal der Natur und beobachtet den Prozess, ohne aktiv einzugreifen.
Backhaus zwischen den Fronten
Umweltminister Till Backhaus (SPD), der in den vergangenen Tagen sichtlich betroffen die Lage vor Ort sondierte, folgt damit der strengen wissenschaftlichen Empfehlung. Auch wenn der Minister persönlich bewegt wirkt, betont sein Haus, dass man sich nicht über die Expertise der Biologen hinwegsetzen könne. Jede aktive Maßnahme, die das Leiden ohne Aussicht auf Erfolg verlängert, könnte rechtlich als Tierquälerei gewertet werden.
Juristisches Nachspiel und öffentlicher Protest
Während das Tier in der Bucht immer schwächer wird, verlagert sich der Kampf zunehmend auf die juristische Ebene. Es liegen mehrere Strafanzeigen gegen die Entscheidungsträger vor. Der Vorwurf: Tierquälerei durch Unterlassen. Kritiker wie der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann werfen den Behörden vor, wertvolle Zeit ungenutzt gelassen zu haben, als der Zustand des Tieres möglicherweise noch eine Rettung erlaubt hätte. Jetzt heißt es warten auf den Tod…


