Schwerin – Die Insel Kaninchenwerder hat einen neuen Pächter. Im April stellte Daniel Schmidt (45) sein Konzept bei der Stadt vor und erhielt den Zuschlag für sein überzeugendes Konzept. Der Unternehmer baut mit seiner Firma „Garage 7“ Hausboote in Zierzow bei Grabow. Er startet die Inselbewirtschaftung zum Stadtwerke-Strandfest am 27. Juni 2026.
Die Entscheidung für den neuen Inselpächter stand am Ende eines mehrstufigen Ausschreibungsverfahrens. Es hatte insgesamt 27 Interessenten gegeben. „Daniel Schmidt hat uns mit seinem Konzept, seiner Erfahrung und vielen kreativen Ideen überzeugt. Er verbindet touristische Angebote mit einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Genau diese Mischung braucht Kaninchenwerder. Ich freue mich darauf, die Entwicklung der Insel gemeinsam mit ihm zu begleiten und bin überzeugt, dass wir damit einen wichtigen Impuls für die Naherholung und den Tourismus in Schwerin setzen“, begrüßt der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum die neue Entwicklung auf Kaninchenwerder. Die Bewirtschaftung erfolgt zunächst auf Grundlage einer einjährigen Nutzungsvereinbarung. Parallel dazu sollen Gespräche über eine langfristige vertragliche Perspektive für die Insel geführt werden.
Seit 2024 auf dem Schweriner See im Einsatz
2013 machte sich Schmidt im Metallbau selbstständig und wurde zunächst Zulieferer für Schwimmsysteme. Inzwischen gilt er als Experte im Hausbootbau und beliefert Kunden in Norddeutschland und Berlin. Seine „schwimmenden Ferienwohnungen“ sind von der Müritz bis nach Königs Wusterhausen im Einsatz. In Waren (Müritz) verchartert das Team von Garage 7 erfolgreich Hausboote an Urlauber, die ihre Ferien auf dem Wasser verbringen möchten.
Seine Hausboote sind seit 2024 bereits auf dem Schweriner See unterwegs, künftig möchte er auch Gäste für die Insel Kaninchenwerder begeistern. „Schwerin mit dem Schweriner See ist eine Perle. Meine Frau kennt die Insel noch aus Kindertagen, und alle meine Mitarbeiter waren sofort von der neuen Idee begeistert“, sagt Daniel Schmidt. Gemeinsam mit der Stadt wolle man die Insel nun Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Zum Insel- und Strandfest wird sein Team ein gastronomisches Angebot auf Kaninchenwerder präsentieren. Geplant sind Sonnenschirme, Sitzgelegenheiten, eine kleine Beachbar mit Cocktails sowie Räucherfisch. Dabei kommt auch eine schwimmende Eisdiele zum Einsatz. „Das wird wie ein kleines Eiscafé im Hafen sein“, verspricht Schmidt. Rund zwei Monate habe er an dem Projekt gearbeitet.
Derzeit ist auf der Insel lediglich mobile Gastronomie möglich, da das bestehende Gebäude aktuell nicht nutzbar ist. Das soll sich bis 2027 ändern. Bereits in diesem Sommer werden die ersten Bauarbeiten für die Sanierung beginnen. Die Landeshauptstadt Schwerin wird in diesem Jahr insbesondere Sanierungsarbeiten am Dach sowie an der Veranda des denkmalgeschützten Saalgebäudes durchführen. Ziel ist es, die baulichen Voraussetzungen für eine zukünftige umfassendere Nutzung des Gebäudes zu schaffen und die denkmalgeschützte Bausubstanz langfristig zu sichern. „Wir stimmen uns eng mit den beteiligten Gewerken ab, damit ein Besuch auf der Insel auch während der Bauphase ein Erlebnis bleibt. Boote können weiterhin anlegen, kleinere Veranstaltungen sind möglich, und auch die Weiße Flotte kann ihren Gästen die Insel wieder ans Herz legen“, so Schmidt.
Auch Betreuung der Hafenanlage und des Aussichtsturms gesichert
In der Saison wird die Insel an den Wochenenden bis in die Abendstunden betreut. Mit der Übernahme der Inselbewirtschaftung übernimmt Garage 7 bereits in der Übergangsphase umfangreiche Betreiberaufgaben. Dazu gehören unter anderem die Betreuung der Hafenanlage und des Aussichtsturms sowie die Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflichten auf den überlassenen Flächen. Unter der Woche richtet sich das Angebot nach dem Bedarf. Gemeinsam mit derForst wurden bereits Wanderwege freigeschnitten und wieder passierbar gemacht. Die Rasenflächen sind gemäht, die öffentlichen Toiletten geöffnet und gepflegt. Auch diese Aufgaben übernimmt künftig das Team von Garage 7. Die Weiterentwicklung des touristischen Angebotes auf der Insel soll dabei maßgeblich durch Investitionen des Betreibers getragen werden.
Perspektivisch möchte Garage 7 das Inselgebäude für Gastronomie und Veranstaltungen nutzen sowie die bestehende Baracke umbauen. Dort könnte ein moderner Sanitärbereich entstehen, um Bootsfahrern kurze Wege zu ermöglichen. Auch ein eingeschränktes Zeltangebot kann er sich vorstellen. „All das werden wir im Einklang mit der Natur, den zuständigen Behörden und unter Beachtung des Naturschutzes entwickeln“, betont Schmidt. „Dabei muss aber auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden, sonst wird das langfristig nicht funktionieren.“
In der Nebensaison soll die Insel weiterhin zugänglich bleiben. Dann könnten einzelne Hausboote im Hafen liegen und als schwimmende Ferienwohnungen genutzt werden. Gerade für Familien sei dies ein besonderes Schwerin-Erlebnis.
Mit Vereinen und Initiativen auf der Insel bestehen seitens der Landeshauptstadt Schwerin keine gesonderten Nutzungs- oder Kooperationsvereinbarungen. Über mögliche Kooperationen entscheidet der Betreiber eigenverantwortlich im Rahmen seines Nutzungskonzeptes. Garage 7 hat bereits signalisiert, für eine Zusammenarbeit mit bestehenden Akteuren offen zu sein.
Chronik Kaninchenwerder
- 1407 Ersterwähnung der Insel „Kanynekenwerder“ in einem Teilungsvertrag der Herzöge
- 1561 Errichtung einer Ziegelei auf Kaninchenwerder
- 1835 Einstellung des Ziegeleibetriebs, landwirtschaftliche Nutzung der Insel durch einen dort wohnenden Pächter
- 1846 Hofgärtner Theodor Klett entwickelt Pläne zur parkartigen Gestaltung der Insel, die aber in den folgenden Jahren nur teilweise umgesetzt werden.
- 1853 Errichtung eines Anlegestegs für Dampfschiffe durch das Hofmarschallamt
- 1874 Der auf Kaninchenwerder ansässige Landwirt eröffnet eine Gastwirtschaft zur Bewirtung der im Sommer in großer Zahl auf die Insel kommenden Gäste.
- 1895 Errichtung eines 22 m hohen Aussichtsturmes auf dem Jesarberg nach einem Entwurf von Baurat Gustav Hamann durch die Gemeinnützige Gesellschaft
- 1932 Der Landrat des Kreises Schwerin verpachtet den 21 ha großen Bauernhof inklusive der damit verbundenen Schankwirtschaft an Wilhelm Gräning.
- 1935 Die Insel Kaninchenwerder wird Naturschutzgebiet.
- 1936 Eingemeindung der Insel Kaninchenwerder zu Schwerin
- 1947 Wilhelm Gräming erhält auf Kaninchenwerder im Zuge der Bodenreform eine Neubauernstelle von 10 ha.
- 1968 Wilhelm Gräming stellt altersbedingt die Bewirtschaftung des Landes ein, lebt aber bis zu seinem Tod 1987 auf Kaninchenwerder.
- 1970 Die Stadtverordnetenversammlung beschließt den Ausbau von Kaninchenwerder zum Naherholungszentrum, die Gastwirtschaft wird renoviert und ein Spielplatz angelegt.
- 1976 Anschluss der Insel an Stromnetz und Wasserversorgung
- 1999 Sanierung des Aussichtsturms
- 2003 Verkauf der ehemaligen Gaststätte „Seeklause“ an die Stadt
- 2008 Start des geförderten „Jugendwerkes Die Insel gGmbH“, das die Insel zu einem Ort der Begegnung entwickeln und Jugendliche auf die Arbeitswelt vorbereiten will. In diesem Zuge wurde die Gaststätte saniert sowie durch die Stadt eine Kläranlage und Sanitäranlagen geschaffen.
- 2009 Eröffnung des Bistros „Tantara“, das während der Bundesgartenschau von Mai bis September geöffnet hatte.
- 2012 Eröffnung des neu gestalteten Grill- und Lagerfeuerplatzes „Adlerhorst“ und Verbesserung der Wanderwege
- 2019 Johannes Meyering wird neuer Pächter der Inselgastronomie gibt aber nach Schwierigkeiten mit Besuchern der Insel auf und kündigt den Vertrag.
- 2020 Rüdiger Kopplin übernimmt die Insel inmitten der Corona-Pandemie als neuer Pächter und will dort über seinen Inselverein und seine Bootsfahrschule Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten, kulturelle Veranstaltungen und Fährüberfahrten anbieten.
- 2024 Eröffnung der neuen Hafenanlage mit einem Schiffsanleger, Versorgungssäulen für Strom und Wasser und Liegeplätzen (Kosten 4,24 Millionen Euro)
2025 Kündigung des Pachtvertrages da nach Ansicht der Stadt die Umsetzung des Konzeptes nicht gelungen ist und der Verfall des Gebäudes droht. Zur Vermeidung eines langjährigen Rechtsstreites schließt die Stadt einen Aufhebungsvertrag.
- 2025 Ausschreibung zur Neuverpachtung.
- Ab Juli 2026 – Erste Sanierungsarbeiten am historischen Gasthof (Sanierung des Daches und der historischen Veranda des Saalgebäudes für 700.000 Euro). Ziel der Stadt ist es, die Gebäudehülle des Wirtschaftsgebäudes noch im Laufe des Jahres 2026 wetterfest zu machen