Tragödie in der Ostsee: Umweltminister Backhaus will Buckelwal „Timmy“ nicht töten

Sterben auf Zeit…

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Die Wismarer Bucht mit der Insel Poel. Beim roten Kreuz liegt der Buckelwal auf einer Sandbank. Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende
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Wismar – Es scheint ein Todeskampf zu sein. Der Buckelwal in der Wismarer Bucht, der den Namen „Timmy“ bekommen hat, liegt weiter gestrandet im Kirchsee in einem sehr flachen Boddengewässer mit schlammigem Untergrund. Seit sieben Tagen ist das Tier dort, kann sich nicht selbst freischwimmen und auch nicht gerettet werden. Das schlossen die Experten vor Ort aus. Es ist eine drückende Stimmung bei allen Beteiligten – macht- und hilflos ist man dort. Man kann anscheinend nur zusehen, wie der 20 bis 30 Tonnen schwere Meeresbewohner langsam stirbt.

Backhaus gezeichnet

Und es wird weiter diskutiert, überlegt und auch getrauert. Gibt es eine Rettung, ein Wunder oder ein Zeichen – oder ist Timmys Schicksal bereits besiegelter, als man wahrhaben möchte? Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht man an, dass ihm die Sache nahe geht. Er ist hin- und hergerissen, hat Hoffnung und dann wieder eine Leere. Der 67-Jährige weiß aber eines: Sterbehilfe schließt er aus: „Das Vergiften, das ist im Übrigen auch die Sprengladung ins Maul zu geben und das zu sprengen, also das sind für mich Maßnahmen, die sind nicht zu akzeptieren.“

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„…bis es so weit ist“

Wie lange das Versterben dauert, konnte bisher niemand voraussagen. Burkard Baschek vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund (DMM) meinte: „Das ist leider so, dass Buckelwale sehr viel Zeit brauchen, um zu sterben. Das dauert länger als zum Beispiel bei Pottwalen, wurde mir gesagt. Wir haben es hier außerdem nicht mit dem typischen Strandungsereignis zu tun, bei dem ein Tier wirklich komplett trocken liegt, sondern es wird noch vom Wasser getragen. Wir rechnen damit, dass es durchaus einige Tage dauern kann, bis es so weit ist.“

Große Sperrzone

Immer mehr Menschen strömen in Sichtweite von Timmy, sei es, um ihm einen letzten Gruß mitzugeben, ihn mental zu unterstützen oder einfach nur, um so ein großes Tier zu sehen. Um den Buckelwal wurde eine Sperrzone von 500 Metern eingerichtet. Nur Personen, die offiziell beauftragt sind, sich um Timmy zu kümmern, dürfen sich ihm nähern.

Der falsche Weg

18 Tage dauert sein Irrweg und das Feststecken bereits in der Ostsee. Am 23. März schwamm sich der Wal vor Niendorf in der Lübecker Bucht fest. Ihm wurde dort durch einen Schwimmbagger eine Fahrrinne gegraben, die er drei Tage später selbst nutzte, um sich von dort zu entfernen. Doch statt in die Nordsee bog er Richtung Wismar ab. Vorbei an Warnkenhagen und Boltenhagen, wo Timmy bereits Anfang März gesichtet wurde. Am 28. März strandete der Buckelwal in der Wismarer Bucht mehrfach, befreite sich allerdings immer wieder selbst. Am 31. März schwamm das Tier in die Sackgasse Kirchsee und liegt dort seit diesem Tag fast ununterbrochen an derselben Stelle fest.

Doch noch Hoffnung?

Erste Berichte über leichte Drehbewegungen des Wals am späten gestrigen Mittwochnachmittag (8.4.), begünstigt durch einen kurzzeitig erhöhten Wasserstand, machten die Runde. Experten werten dies jedoch als Reflex oder letztes Aufbäumen, nicht als Anzeichen einer Besserung.

Es ist eine Tragödie… wie lange muss Timmy noch leiden oder schafft er es doch noch mal, sich zu befreien und findet den Weg in die Nordsee?

Auch dazu haben die Experten eine klare Meinung. Sie sagen „Nein“. Dazu scheint der Wal zu geschwächt, orientierungslos und vor allem zu verletzt. Inzwischen stellte man fest, dass ihm eine Schiffsschraube schwere Verletzungen zugefügt haben muss. Die Haut ist in einem schlechten Zustand. Vor Ort ist man sich sicher: Der Wal wird im Kirchsee sterben (SN-AKTUELL berichtete).