
Schwerin – Die Barockkirche St. Nikolai in der Schweriner Schelfstadt benötigt dringend Unterstützung für anstehende Sanierungsarbeiten. Aus diesem Grund veranstaltet der Deutschlandfunk gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) am Samstag, dem 18. Juli 2026 um 19 Uhr, ein Benefizkonzert im Rahmen der Reihe „Grundton D“. In der Kirche in der Puschkinstraße erwartet die Besucher ein hochkarätiges Trio um den weltbekannten Hammerflügel-Spezialisten Andreas Staier, den Violinisten Daniel Sepec und den Cellisten Roel Dieltiens. Gespielt werden Werke der Wiener Klassik von Haydn, Mozart und Beethoven sowie eine Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach. Eintrittskarten sind im Vorverkauf für 25 Euro (ermäßigt 15 Euro) online via ztix.de, in der Tourist-Information oder direkt an der Abendkasse erhältlich. Die gesamten Erlöse fließen direkt in den Erhalt des historischen Bauwerks.
Über die aktuelle Situation des Denkmals und die Bedeutung des Konzerts äußerten sich der zuständige Architekt Rene Goethel und DSD-Projektbetreuerin Jorinde Bugenhagen in einem Interview.
Sanierung erfordert zehn Prozent Eigenanteil
Die Einnahmen aus dem Konzert sind ein wichtiger Baustein für das anstehende Großprojekt. „Die Kirchengemeinde der Schelfkirche muss für die anstehenden Dacharbeiten einen Eigenanteil von rund 10 Prozent der Mittel tragen“, erklärt Architekt Rene Goethel. Durch private Spendeninitiativen und die Erlöse des Benefizkonzerts könne dieser Eigenanteil gesichert werden. Erst dies mache es möglich, weitaus größere Fördermittel des Bundes und des Landes für die Sanierung erfolgreich zu beantragen.
Keine akute Einsturzgefahr dank Notabstützung
Trotz des Sanierungsbedarfs betonen die Experten, dass die Kirche derzeit sicher betreten werden kann. Ein sichtbares Stützgerüst im Innenraum dient als zusätzliche Sicherung. Laut Goethel wurde die Standsicherheit von einem unabhängigen Prüfstatiker im laufenden Baugenehmigungsverfahren bestätigt: „Demnach besteht für das Dach der Kirche aktuell keine Einsturzgefahr.“
Gleichwohl gab es in der jüngeren Vergangenheit ernste Probleme. Architektin Jorinde Bugenhagen blickt zurück: „Die Kirche war 2022/2023 durch Befall der hölzernen Tragstruktur von Dach und Gewölbe mit Echtem Hausschwamm einsturzgefährdet.“ Die damals mithilfe der DSD eingebaute Notabstützung trage das sehr flach konstruierte Gewölbe und sichere bis heute die fortlaufende Nutzung des Kirchenraums.
Aufmerksamkeit und psychologische Unterstützung
Obwohl ein einzelnes Konzert nur einen Bruchteil der Gesamtsumme einspielen kann, ist jede Zuwendung wertvoll. Neben der finanziellen Komponente geht es laut Goethel um die Signalwirkung: „Auch wenn ein Benefizkonzert nur einen geringen Beitrag zu den Mitteln liefern kann, darf sicher angenommen werden, dass die daraus entstehende Information und Aufmerksamkeit weitere Mittel und Spenden zur Folge haben wird.“ Zudem stärke die Öffentlichkeitsarbeit das allgemeine Verständnis für den Erhalt von Kulturgütern.
Bugenhagen ergänzt, dass bei solch großen Projekten auch der ideelle Rückhalt zählt. Es gehe darum, „dass die Protagonisten vor Ort nicht alleine dastehen“.
Ein geschichtsträchtiges Welterbe-Denkmal
Die von 1709 bis 1711 errichtete Schelfkirche gilt als eine der wenigen Barockkirchen in Norddeutschland und markiert den ersten großen nachreformatorischen Kirchenneubau in Mecklenburg. Bautechnisch steht sie für einen historischen Paradigmenwechsel, da sie nach dem Dreißigjährigen Krieg unter akutem Handwerkermangel und ohne die traditionelle Expertise mittelalterlicher Bauhütten errichtet werden musste. Darüber hinaus hebt Jorinde Bugenhagen die heutige Bedeutung des Bauwerks hervor: „Es kommt noch eines hinzu: die Schelfkirche gehört zum Schweriner Weltkulturerbe.“