
Wismar – Es sind Bilder, die man von ihm nicht kennt. Robert Marc Lehmann, der Mann, der weltweit für das Leben in den Ozeanen kämpft und normalerweise keine Gefahr scheut, wirkt in seinem neuesten Statement in den Sozialen Medien gezeichnet. Mit brüchiger Stimme und sichtbarer Erschütterung verkündet der Meeresbiologe das, was Millionen Menschen nicht wahrhaben wollten: Die Rettung von Buckelwal „Timmy“ ist gescheitert.
Lehmann senkt Prognose
„Ich habe viel geweint, ich war sehr traurig, war sehr wütend, mir ist das Herz gebrochen“, gesteht Lehmann sichtlich bewegt. Es ist ein Moment der totalen Ehrlichkeit, der zeigt, dass hinter dem Experten ein Mensch steckt, der bis zuletzt gehofft hat. Doch die nackten Zahlen lassen keinen Spielraum mehr für Visionen. Lag die Überlebenschance vor einer Woche laut Lehmann noch bei 0,1 Prozent, beziffert er sie heute auf nur noch 0,01 Prozent.
„Es ist nicht mehr sinnvoll“
Die Entscheidung des offiziellen Expertengremiums, den Wal seinem Schicksal zu überlassen, lastet schwer auf der Bucht. Lehmann, der von Anfang an seine Hilfe angeboten hatte, steht nun vor den Trümmern einer Hoffnung. „Nichts Gutes, was man jetzt noch machen kann, gibt es für diesen Wal“, so sein bitteres Fazit. Die Chance, die vor Tagen noch bestanden hätte – vielleicht durch jene mutigen technologischen Kraftakte, die auch SN-AKTUELL ins Spiel brachte –, wurde vertan.
Das bittere Erbe des Zögerns
Besonders tragisch: Lehmann offenbart, dass ihm die Möglichkeit zu helfen erst gar nicht gegeben und dann endgültig genommen wurde. Jetzt sei der Punkt erreicht, an dem jede weitere Aktion nicht nur dem Tier schaden könnte, sondern auch das Leben der Retter gefährden würde. „In einer riskanten Aktion, die mich mein Leben kosten kann, ein Tier zu retten, was eine 0,01 % Chance auf Überleben hat, hat ja auch Konsequenzen“, erklärt er mit Blick auf internationale Rettungsstandards.
Ein Versprechen, das an der Realität zerschellt
Für Lehmann ist dieses Eingeständnis eine persönliche Niederlage, die er kaum in Worte fassen kann. „Ihr kennt mich, ich ziehe immer alles durch. Ich gebe niemals auf, bis alle frei sind“, sagt er mit kämpferischem Unterton, der jedoch in dieser Situation an der grausamen Realität der Wismarer Bucht zerschellt.
Sein Appell an die Community ist geprägt von tiefer Reue: „Es tut mir sehr leid, auch ich enttäusche euch damit.“ Doch die Enttäuschung sitzt woanders: Sie sitzt vermutlich bei den bürokratischen Hürden und dem Zögern in den entscheidenden ersten Tagen, als „Timmy“ noch die Kraft für ein Wunder gehabt hätte. In Niendorf war Lehmann noch dabei, in Wismar fehlte er vor Ort.
Stille als letzte Antwort
In Wismar bleibt nach diesem Statement nur noch die Stille. Wenn der lauteste Anwalt der Wale verstummt und weint, gibt es für die Hoffnung keinen Platz mehr. Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass wir Zeugen eines langsamen Abschieds sind, den selbst die leidenschaftlichsten Kämpfer unserer Zeit nicht mehr verhindern können.
Die Lichter an der Küste brennen heute Nacht nicht mehr für eine Rettung. Sie brennen für einen Giganten, der uns alle geeint hat – und für einen Kämpfer, der heute ein Stück seines Herzens in der Ostsee verloren hat.
Strafanzeigen wegen „unterlassener Hilfeleistung“
Während sich Trauer breitmacht, kommt Wut ins Spiel. Einzelne Bürger erstatteten Strafanzeigen. Diese richten sich gegen Umweltminister Till Backhaus sowie gegen die Organisationen Greenpeace und ITAW. Die Vorwürfe lauten auf unterlassene Hilfeleistung und Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Das berichtet „Wismar FM“.
Die Kritik:
- Die Anzeigenden werfen den Behörden vor, nicht ausreichend oder rechtzeitig gehandelt zu haben.
- Fachkundige Hilfe sei zu spät eingebunden worden, wodurch Rettungsmaßnahmen erschwert wurden.
- Als Grundlage dienen Medienberichte sowie Video- und Bildmaterial von vor Ort.
Die Gegenseite
Die beteiligten Institutionen wiesen die Vorwürfe zurück. Sie betonten übereinstimmend, dass ein aktiver Eingriff bei dem geschwächten Tier im flachen Wasser weder biologisch noch logistisch möglich gewesen sei, ohne Mensch oder Tier zu gefährden.
Juristische Prüfung
Ob die Anzeigen zu Ermittlungen führen, ist offen. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob ein Anfangsverdacht besteht. Das Landwirtschaftsministerium bestätigte unterdessen, dass „Timmy“ noch lebt, atmet und Bewegungen zeigt, aber weiterhin festliegt.


