Das Leben gewinnt: „Timmy“ on Tour! – Buckelwal ist unterwegs nach Hause

Das Leben gewinnt: „Timmy“ on Tour! – Buckelwal ist unterwegs nach Hause

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Aufbruch in die Freiheit: Die Schute mit dem Buckelwal verlässt die Wismarer Bucht (Symbolbild: KI-generiert/SN-AKTUELL)
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Wismar – Es ist ein Bild, das man an der Ostseeküste so schnell nicht vergessen wird: Der 12-Tonnen-Buckelwal „Timmy“ befindet sich seit dem heutigen Dienstag auf einem spezialisierten Transportschiff. Nach Wochen des Bangens hat die Reise in die Freiheit begonnen. Die Klützer Tierärztin Dr. Ina Rheker unterstützte das Rettungsteam vor Ort.

Die Stimmung am Hafen und an den Stränden rund um Poel ist eine Mischung aus Erleichterung und Hochspannung. Nachdem das Umweltministerium den Wal bereits vor Wochen abgeschrieben hatte, beweist der junge Buckelwal nun das Gegenteil. Dr. Rheker, deren Praxis in Nordwestmecklenburg dreimal in Folge als „Beste Tierarztpraxis Deutschlands“ ausgezeichnet wurde, war in der vergangenen Woche direkt bei dem Tier im Wasser.

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„Ein bedrückender Anblick“

Für die erfahrene Tierärztin war der erste Kontakt auf der Sandbank emotional aufwühlend. Nachdem sie Timmy zuvor noch freischwimmend in der Ostsee beobachtet hatte, bot sich ihr vor Ort ein Bild des Leidens. „Ihn jetzt da in dieser misslichen Lage festliegen zu sehen, das ist natürlich schon wirklich sehr bedrückend“, schilderte Rheker ihre persönlichen Eindrücke gegenüber SN-AKTUELL und RADIO LÜBECK.

Erstaunliche Lebenskraft gegen alle Prognosen

Entgegen den offiziellen Berichten, die Timmy bereits in der „palliative Begleitung“ sahen, zeichnete Rheker ein anderes Bild. Der Wal zeigt Kampfgeist. Trotz des schlechten Gesamtzustands nach mehreren Strandungen habe sich das Hautbild unter der Behandlung verbessert. Besonders hoffnungsvoll: Timmy reagierte auf angebotenen Fisch und nahm Nahrung auf. „Letztlich müssen wir einfach hoffen, dass er jetzt fit genug wird für den Transport“, so die Tierärztin.

Kritik an der „Natur-pur“-Strategie

Zu den Stimmen, die forderten, man solle der Natur ihren Lauf lassen, hat Rheker eine klare Meinung. Da dem Tier bereits vor fünf Wochen der baldige Tod vorausgesagt wurde, es aber immer noch lebt, hält sie das bloße Abwarten für grausam. Ein „langes Siechtum“ sei für den Wal deutlich stressiger als der nun eingeleitete Rettungsversuch.

Der Transport: Die einzige und letzte Chance

Mit der Verladung auf die Schute ist der wichtigste Meilenstein erreicht. „Der Transport zurück in die Nordsee oder bis in den Atlantik ist natürlich die einzige Chance für diesen Wal, dass er sich vielleicht erholen kann“, erklärt Rheker. Ohne diesen massiven Eingriff wäre das Tier garantiert in der Kirchsee gestorben und hätte dabei erheblich gelitten.

Nun heißt es Daumen drücken für die Reise. Ob sich Timmy im salzhaltigen Atlantik vollständig regenerieren kann, bleibt abzuwarten. Für Rheker ist entscheidend, dass die Chance nun vorhanden ist – eine Chance, die er ohne die private Initiative und den unermüdlichen Einsatz der Helfer nie bekommen hätte.

Ein Weckruf für den Meeresschutz

Abschließend sieht die Tierärztin in der Geschichte um Timmy eine größere Botschaft für uns Menschen. Während die Welt auf diesen einen Wal in Nordwestmecklenburg schaut, sterben täglich Tausende seiner Artgenossen unbemerkt. Sie hofft, dass die Aufmerksamkeit für Timmy als Impuls genutzt wird, um die Lebensräume in unseren Meeren nachhaltig zu schützen.

Allen Kritikern zum Trotz

Die Retter, die sich auf Initiative von Media Markt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert zusammentaten, waren emotional überwältigt. Sie trotzten den Kritikern und vielen Wissenschaftlern, die jungen Wal bereits totsagten. Nun bleibt zu hoffen, dass „Timmy“ seine Chance nutzt.