„Timmy“ will wohl doch nicht sterben: Experten sagen dies, Experten sagen das – „Reist“ das Jungtier Sonntag ab?

Buckelwal in der Wismarer Bucht ist transportfähig

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Buckelwal im Wasser. Foto: SNA/KI
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Wismar – Die vergangenen Tage markieren den bisher dramatischsten Wendepunkt in der mehrwöchigen Odyssee des Buckelwals vor der Insel Poel. Was als Ruhiges, fast schon aufgegebenes „Sterben auf Zeit“ begann, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem hochemotionalen Krimi, der die gesamte Region und das Land in Atem hält.

Auf einmal ging es los

Alles änderte sich am vergangenen Montag, als ein unerwartetes Naturphänomen für einen kurzen Moment der Hoffnung sorgte: Ein kräftiger Windanstieg drückte das Wasser in die Kirchsee und hob den Pegel an. Der Wal, der zuvor unbeweglich in einer Schlammkuhle festgesessen hatte, erlangte plötzlich wieder Auftrieb. Zur Verblüffung der Beobachter von DLRG und Wasserschutzpolizei nutzte das Tier die Gunst der Stunde und schwamm aus eigener Kraft in Richtung der offenen Wismarer Bucht.

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Doch das Schicksal schlug grausam zurück. Bevor „Timmy“ das rettende tiefe Fahrwasser erreichen konnte, sank der Wasserstand am Mittwoch wieder ab. Nur rund 100 Meter vor der Freiheit strandete der Koloss erneut auf einer tückischen Sandbank. Seitdem liegt der Wal in Sichtweite des tiefen Wassers fest, während die Zeit unerbittlich gegen ihn läuft.

Nächstes Drama: Leitende Tierärztin im Koma

Überschattet wurde die Rettungsaktion zudem von einer menschlichen Tragödie innerhalb des Helferteams. Die leitende Tierärztin der privaten Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, die sich bis zur Erschöpfung für das Tier eingesetzt hatte, erlitt einen schweren medizinischen Notfall und musste per Rettungshubschrauber in die Uniklinik Rostock geflogen werden. Ihr kritischer Zustand – sie liegt derzeit im künstlichen Koma – versetzte die Helfer vor Ort in einen Schockzustand.

Backhaus hofft auf Barge

Aktuell konzentrieren sich alle Bemühungen auf den nächsten Plan: Mit Hilfe eines Baggers zog eine Privatinitiative eine Rinne durch die verbleibenden rund 100 Meter Sandbank, um dem Wal den Weg in den Atlantik doch noch zu ebnen. Big Bags mit Sand gefüllt sollen ihn davon rechts und links abhalten, dass er erneut ins flache Wasser schwimmt. Klappt das, steht ein selbstfahrender Lastkahn (Barge) bereit, um den Wal aufzunehmen und in sein gewohntes Gewässer zu transportieren.

„Timmy“ könnte möglicherweise am Sonntagmorgen selbst wieder die Flossen schwingen und losschwimmen. Inzwischen hatte man dem vermutlich vier- bis sechsjährigen Tier, das zwischen 50 und 90 Jahre alt werden kann – einen Peilsender verpasst. Tierärztin Kirsten Tönnies und Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus erklärten am Sonnabendnachmittag, „dass das Tier transportfähig ist“.

Hinter den Kulissen gibt es allerdings ordentlich Streit. Sogenannte Experten widersprechen sich gegenseitig. Die einen sehen den Walbullen schon seit Wochen tot, die anderen haben Hoffnungen packen an. Reden tun alle… Es ist davon auszugehen, dass selbst nach der gesamten Situation einiges an Nachspiel zu erwarten ist. Dabei sind allerdings alle: International ist der Fall von „Timmy“ einmalig.